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bye, bye myblog

Liebe Leute,

Das ivi zieht um. Zwar nicht innerhalb der Stadt, aber im virtuellen Raum. Die neue Adresse ist ab sofort:

http://ivi.copyriot.com

Die Seite http://irrelevanz.myblog.de/ wird Euch aber weiterhin als Archiv zur Verfügung stehen.

die_webmistress, 12.o5.2009

[media] Media und Pressearchiv.

last update: 11.o2.2009

Pressemitteilungen des Instituts:

PM vom vom 10/02/2009: Institut begrüßt die Entscheidung des Ortsbeirates
PM vom 06.02.2009: Kein Ende der Irrelevanz – Institut zeigt sich empört über Pressebericht
Ältere Pressemitteilungen

Media und Pressespiegel:

[2009]
Frankfurter Neue Presse, 27.o2.2009: Institut für Irrelevanz soll ausziehen
Frankfurter Rundschau, 11.o2.2009, Campus: Irrelevanz vor dem Ende - Die Goethe-Universität will das besetzte Haus am Kettenhofweg demnächst verkaufen. Von Kim Behrend
Frankfurter Rundschau, 6.o2.2009: Das Ende der Irrelevanz. Von Kim Behrend

[2008]
Frankfurt Rundschau, 30.o4.2008: Theorie, Praxis, Party: Im Ivi lebt die Tradition des Teach-In weiter. Von Anne Lemhöfer
Vice Magazine: Vice Guide to Frankfurt: Institut für vergleichende Irrelevanz.

[2007]
Frankfurter Rundschau, 25.10.2007: Feiern mit Foucault. Studierende organisieren Gegen-Uni. Von Katrin Brinkman.
Junge Welt, 25.10.2007: Tote Hunde.
Sacco und Vanzetti - magazin neues deutschland. #12, Oktober 2007: OUBS, ein IVI. Die letzten Freiräume studentischen Eigenwillens.Von Susanne Götze.
Frankfurter Rundschau, 18.8.07: Geduldete Protestkultur. Das Aus für das Institut für vergleichende Irrelevanz am Kettenhofweg ist absehbar. Von Meike Kolodziejczyk.
(((i))) 8.o7.2007: Bullen umstellen IvI nach Naziaufmarsch in Frankfurt am Main.
(((i))) 1.o7.2007: IvI Demo in Frankfurt.
Jungle World, 27.o4.2007: Demokratie wird umgebaut.
Frankfurter Neue Presse, 21.o4.2007: Institut für Irrelevanz.
Arte, 4.o1.2007/16.o1.2007, TV-Feature @ TRACKS: Das Institut für vergleichende Irrelevanz. [Video] [Programmankündigung]

[2006]
Deutschlandradio, 9.11.2006, Radio-Feature @ *Campus & Karriere*: Gegenuni in Frankfurt am Main. Studieren am Institut für vergleoichende Irrelevanz. Von Anke Petermann. [Audio *.mp3] [Transcript]
Frankfurter Rundschau, 3.11.2006: Studenten organisieren Gegen-Uni. Von Inga Rahmsdorf.
Jungle World, 12.o7.2006: Zu irrelevant. Drohende Räumung in Frankfurt am Main.
Frankfurter Rundschau, 15.o3.2006: Galgenfrist für das Protesthaus. Von Von Meike Kolodziejczyk.
frankfurt_news, 5.o3.2006: Besetztes Institut wird geräumt. Von Petra Knobel.
((( i ))): 3.03.2006: Arbeit des IvI (Ffm) geht vorerst weiter!

[2005]
AStA Zeitung, #10/2005: Uni für alle. Und zwar umsonst!

[2004]
(((i))):10.o1.2004: ivi in frankfurt/m lebt noch!

[2003]
Die Tageszeitung, 20.12.2003: Dass Adorno die Polizei holt.
Frankfurter Rundschau, 10.12.2003: Besinnliche Hausbesetzung.
(((i))): 10. dezember 2003: frankfurt: besetztes centro sociale (woche 2) [fotos]
(((i))): 8. dezember 2003: frankfurt: hausbesetzung geht weiter! [fotos]
(((i))): 6. dezember 2003: IVI besetzt Radio-X.
Frankfurter Rundschau, 4.12.2003: Institut besetzt. Studenten setzen Streik fort.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4.12.2003, Hochschulen: Studenten geben nicht auf - doch die Solidarität läßt nach.
(((i))): 3. dezember 2003: FFM Soziales Zentrum in besetztem Ex-Institut [fotos]

[2002]
Frankfurter Rundschau, 12.o6.2002: Studenten sollen Campus räumen. Unileitung stellt sich gegen den Diskussionszirkel im Zelt.
Die Tageszeitung, 11.o6.2002: Camping mit Teddy.
(((i))), 10.o6.2002: zeltcamp an der uni frankfurt
Diskus - Frankfurter Studierendenzeitschrift, #01/02: Forschung und Alltag am Institut für vergleichende Irrelevanz.
Unireport, 13.o2.2002: Freiheit für das Denken. Aktionswoche gegen die Ökonomisierung der Universität.
Die Tageszeitung, 23.o1.2002: Vergleichende Irrelevanz.
Framkfurter Rundschau, 23.o1.2002: Studierende schaffen sich Freiraum zum Feiern und zum Forschen. Mit einer Aktionswoche protestieren Kommilitonen gegen die Entwicklung an der Goethe- Universität.
Frankfurter Rundschau, 22.o1.2002: Goethe-Universität: Studierende planen aus Protest eigene Seminare.
(((i))), 22.o1.2002: besetztes uni-gebäude (zwischenbericht)
(((i))), 21.o1.2002: institutsbesetzung in frankfurt!

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[2009]

Frankfurter Neue Presse, 27.o2.2009: Institut für Irrelevanz soll ausziehen

Westend. Kaum war das Institut für England- und Amerikastudien im Jahr 2001 aus dem Kettenhofweg 130 ins IG Farben-Haus gezogen, fanden sich für das alte Gebäude neue, ungebetene Nutzer. «Es gab noch einzelne Lehrveranstaltungen dort, da waren schon einige Räume besetzt», sagt Peter Rost, Sprecher der Frankfurter Universität. Im Dezember 2003 gründeten die Besetzer das «Institut für vergleichende Irrelevanz» (IvI) und wurden danach von der Uni geduldet.

Doch immer wieder gab es Beschwerden über nächtlichen Lärm, der unlängst sogar den Ortsbeirat beschäftigte. Lange versuchte die Uni, das nicht mehr benötigte, denkmalgeschützte Gebäude zu verkaufen. Vergebens. Doch nun stehe man kurz vor einem Abschluss, sagt Rost. Wenn es tatsächlich dazu komme, müssten die Besetzer das Haus verlassen.

«Keiner der bislang sechzehn Interessenten hielt das Haus für eine Umnutzung für geeignet», sagt Rost. «Alle wollten es abreißen und neu bauen.» Zwar habe die Uni einen Abrissantrag gestellt. Der sei aber abgelehnt worden. «Jetzt stehen wir mit zwei Interessenten kurz vor einem Abschluss, die den alten Kramer-Bau in seiner jetzigen Form nutzen wollen.» Namen dürfe er noch nicht nennen. «Es sind Liebhaber, die die besondere Architektur des Hauses schätzen.»

Mit dem Verkauf käme nicht nur Geld in die Kasse der Universitäts-Stiftung. Die Hochschule hätte auch ein Sorgenkind weniger. Denn immer wieder kam es in den vergangenen Jahren zu Beschwerden über Ruhestörungen. So auch im Juli und August 2008, als nachts mehrfach Stadtpolizisten ausrückten, um vor dem Institut feiernde junge Leute zur Ruhe zu mahnen. Zuletzt wurden in der Silvesternacht Nobelkarossen im Kettenhofweg verkratzt – wobei die Betroffenen die Täter im Umfeld des IvI vermuten.

«Es ist klar, dass niemand ein besetztes Haus kauft», sagt Rost. Deshalb hofft er, mit den Besetzern ins Gespräch zu kommen, sobald die Verträge unterschriftsreif sind. «Vor drei Jahren haben wir eine Übereinkunft getroffen. Wir dulden das Institut vorübergehend. Dafür räumen die Studenten das Gebäude, wenn es verkauft wird.»

Doch ganz so einfach scheint die Sache nicht. «Wir waren schon damals nur zum Auszug bereit, wenn die Unileitung uns angemessene Ersatzräume anbietet», sagt Jürgen Peters, Mitarbeiter des Instituts.

Doch das lehnt Rost ab. Immerhin sei das Haus besetzt, das IvI kein offizielles Institut der Universität. «Wenn sie sich als Teil der Uni sehen, müssen sie sich selbst Räume suchen.» Etwa über den AStA, die Selbstverwaltung der Studenten. «Die haben mit dem Studierendenhaus das größte seiner Art in Deutschland.» Gleichwohl setzt Rost auf Gespräche. Wohl auch, weil eine Räumung durch die Polizei nicht einfach sein dürfte. Immerhin habe die Uni nie Anzeige gegen die Besetzer erstattet.

Das von verschiedenen, nicht nur studentischen Gruppen getragene IvI stehe «für alle gesellschaftlichen Gruppen und sozialen Institutionen offen», heißt es im Internet. «Seit unserer Gründung bieten wir allen Interessierten ein vielfältiges Programm aus politischer Bildung, Kultur und theoretischer Reflexion an», unterstreicht auch IvI-Sprecherin Krista Herns. «Hier gibt es laufendes Programm mit von Studenten organisierten Tutorien und Seminaren, meist zu gesellschaftlichen Themen.»

Von Ruhestörungen distanziert sich das IvI. «Bei abendlichen Konzerten sorgen wir dafür, dass draußen niemand Lärm macht – wir wissen, dass hier ein Wohngebiet ist», sagt Peters. Falls nachts auf den Außenflächen Jugendliche zu laut feierten, sei es legitim, dass die Stadtpolizei für Ruhe sorge. Auch zerkratzte Autos an Silvester hätten nichts mit dem Institut zu tun. hau

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Frankfurter Rundschau, 11.o2.2009, Campus: Irrelevanz vor dem Ende - Die Goethe-Universität will das besetzte Haus am Kettenhofweg demnächst verkaufen. Von Kim Behrend

Schon alleine mit dem Namen tut sie sich schwer. ",Institut für vergleichende Irrelevanz', was soll das eigentlich bedeuten?", fragt Monika von Savigny in die Runde. Dabei steht der CDU-Ortsbeirätin der Argwohn ins Gesicht geschrieben. Die anderen Ortsbeiräte indes begegnen der Ivi abgekürzten Einrichtung mit weniger Misstrauen. Zum Glück für das Institut, wie sich am Montagabend in der jüngsten Sitzung des Ortsbeirats 2 herausstellen sollte.
Da nämlich die CDU im Ivi Vandalen vermutet, wollte die Fraktion mit einem Antrag auf den Magistrat einwirken. Dieser sollte die Universität drängen, das Gebäude schnellstmöglich zu veräußern. Der Vorstoß fand keine Mehrheit.

Die Aufforderung ist möglicherweise ohnehin überflüssig. Wie Peter Rost als Bevollmächtigter für die Standortneuordnung der Universität mitteilte, soll der denkmalgeschützte, von Ferdinand Kramer entworfene Bau im Kettenhofweg 130 nun möglichst schnell veräußert werden. Es gebe bereits zwei Interessenten, mit denen die Uni verhandle.

Suche nach Ersatz

Für all jene, die das Ivi nutzen, ist diese Bekanntmachung ein Affront. "Eins ist klar, wenn das Gebäude verkauft wird, dann bedeutet das das Aus für das Ivi", erklärte Melanie Schreiber, die für den Fachbereich Gesellschaftswissenschaften Studierende berät. Gemeinsam mit Nadia Sergan vom Asta war sie in die Sitzung des Ortsbeirats gekommen, um die im CDU-Antrag formulierten Verdachtsmomente aus dem Weg zu räumen. Auch Sergan zeigte sich ob des drohenden Verkaufs fassungslos. Schließlich sei klar, dass die verschiedenen Projekte nicht einfach so umziehen könnten. Sie bräuchten einen entsprechenden Vorlauf und vor allem ein Ersatzgebäude. Ob die Uni ihnen ein solches zur Verfügung stellt, ist allerdings ungewiss. Ebenso fraglich ist, ob das Ivi seinen Betrieb freiwillig einstellen wird. Schließlich hat die Universität die Besetzung des ehemaligen Instituts für Anglistik und Amerikanistik geduldet und keine Anzeige erstattet.

Seit Dezember 2003, kurz nach dem Wegzug der Anglisten und Amerikanisten auf den neuen Campus Westend, hält das Ivi das denkmalgeschützte Gebäude besetzt. Es versteht sich als Zentrum, das allen gesellschaftlichen Gruppen und sozialen Institutionen offen stehen soll.

Neigung zum Theoretisieren

"Vor allem gesellschaftlich Irrelevantisierte, deren Anzahl mit dem momentanen Sozialabbau immer mehr steigt, können diesen Raum nutzen und nutzbar machen", sagte Melanie Schreiber. Das Ivi sei ein Ort, "an dem Reflexion und Selbstverständigung darüber stattfinden können, wogegen sich unsere Proteste richten". Wieder solche Sätze, über deren Bedeutung von Savigny stolpert. Wie Schreiber betonte, sei das Ivi kein Wohnprojekt, sondern ein Institut mit Schwerpunkt in politischer Bildung. "Wir neigen zum Theoretisieren." Das könne manchmal schwer verständlich sein.

Neben den Lektüregruppen und den traditionsreichen autonomen Tutorien lebt das Ivi von wöchentlichen Veranstaltungen. Hierzu zählen Filmvorführungen, das öffentliche Plenum und das offene Atelier sowie ein Bar-Abend. Die "Mitarbeiter des Instituts" arbeiten ehrenamtlich, sie reinigen das Gebäude und halten es in Stand. Die Uni kommt für Strom und Wasser auf. Eine Arbeits- und Kostenteilung, mit der das Ivi auch weiterhin gut leben könnte. Jedenfalls will es weiter machen, mit seinem Entwurf einer "Gegen-Uni", die in Zeiten von Modularisierung und Stiftungsuni vor allem eines sein soll: Ein Ort des freien und selbstbestimmten Studiums mit freiem Zugang zur Bildung für jedermann.

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Frankfurter Rundschau, 6.o2.2009: Das Ende der Irrelevanz. Von Kim Behrend

Es ist lange geduldet worden. Seit Dezember 2003 hält das Institut für vergleichende Irrelevanz, kurz ivi oder centro sociale, das ehemalige Institut für Anglistik besetzt. Nun aber gibt es, wie Peter Rost, der Bevollmächtigte für die Standortneuordnung der Universität, gestern mitteilte, zwei Interessenten, die unter Umständen bereit wären, das Gebäude im Kettenhofweg 130 trotz des bestehenden Denkmalschutzes zu kaufen. Vor dem Abschluss eines Vertrages müssten die Hausbesetzer, die sich hinter dem ivi verbergen, das Gebäude räumen, und Rost ist zuversichtlich, dass es dabei keine Probleme geben wird.
"Wir haben vor etwa drei Jahren mit dem ivi eine Absprache getroffen", sagt er. "Die Vertreter haben sich bereit erklärt, das Gebäude zu räumen, wenn wir ihnen einen angemessenen Vorlauf dafür geben." Der Universität dürfe aus der Besetzung kein "gravierender wirtschaftlicher Schaden" erwachsen, und ein nicht-geräumtes Gebäude ließe sich nicht veräußern. "Das Gebäude soll nun schnellstmöglich abgegeben werden", auch weil "von dieser Liegenschaft immer wieder Störungen ausgehen" und die Universität als Hausherrin in der Pflicht stünde.

So will die CDU im Ortsbeirat auf der kommenden Sitzung den Magistrat darum bitten, "der Goethe-Universität das Interesse der Stadt an einem zügigen Abschluss der seit Mitte letzten Jahres laufenden Verkaufsgespräche zwischen Liegenschaftsverwaltung der Goethe-Universität und dem potentiellen Käufer des Objektes zu verdeutlichen". In der Neujahrsnacht seien die Autos der Anwohner beschädigt worden. Wie es in dem Antrag weiter heißt, "gab sich die Polizei gegenüber den Opfern hilflos, verwies auf den Ortsbeirat und ließ durchblicken, dass es sich hierbei um Personen aus dem Umfeld des ,Instituts für Vergleichende Irrelevanz' handeln müsse".

Die Uni wollte lieber abreißen
Worte, die sich die Polizei so nicht in den Mund legen lassen möchte. Wie Jürgen Linker, Leiter der Pressestelle, sagt, "haben die Anwohner einen entsprechenden Tatverdacht geäußert, dem die Polizei in Ausübung ihrer Pflicht nachgeht".

Sollte es Rost gelingen, das Gebäude in diesem Jahr zu verkaufen, wird er diesen Erfolg wohl auch mit einem weinenden Auge quittieren. Die Universität habe sich lange bemüht, eine Abbruchgenehmigung zu erwirken und den Nachweis zu bringen, dass die Veräußerung des Gebäudes mit bestehendem Denkmalschutz wirtschaftlich unzumutbar sei. Der Denkmalschutz habe massive Auswirkungen auf den Kaufpreis.

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[2008]

Frankfurter Rundschau, 30.o4.2008, Campus: Theorie, Praxis, Party: Im Ivi lebt die Tradition des Teach-In weiter. Von Anne Lemhöfer

Ob all die Mao-Bibeln und Kommunistischen Manifeste, die damals aus Jeans-Taschen ragten und in jeder WG auf dem Tisch liegen mussten, alle von vorne bis hinten durchgelesen wurden, man weiß es nicht. Aber eins kann man wohl schon sagen: Alle sicher nicht, doch wahrscheinlich viele. 1968, das war auch eine Bewegung des Lesens und des Diskutierens über das Gelesene. Georg Lukàcs' "Geschichte und Klassenbewusstsein", Wilhelm Reichs "Massenpsychologie des Faschismus" oder Erich Fromms "Die Kunst des Liebens", das hatte man zumindest im Regal stehen. Studenten, die auf dem Campus mit Stiften im ersten Band von Marx' "Kapital" herumnotieren, sah man damals dauernd. Heute nicht mehr.

Es gibt sie trotzdem, die Leser, nur ein paar Straßen weiter, im "Institut für vergleichende Irrelevanz" (Ivi) im Kettenhofweg - und es sind nicht die Veteranen von damals, sondern junge Menschen Mitte 20. Im Dezember 2003 hatten Studierende das ehemalige Anglistik-Institut besetzt, was die Uni-Leitung bis heute weitgehend toleriert, um Raum zu schaffen für Partys, aber auch für etwas, für das ihnen an der Uni der Raum fehlte: kritische Wissenschaft. Deshalb gibt es Lesekreise im Ivi, die nur auf den ersten Blick einer anderen Zeit entsprungen zu sein scheinen: zum "Kapital", zur "Erziehung nach Auschwitz", zur "Entwicklung der Wertformanalyse bei Marx". Das ist nicht zufällig so, denn im Ivi ist 1968 seit jeher konkreter Bezugspunkt zu aktuellen Debatten: "Tote Hunde auf der Überholspur" haben die Studierenden eine Vorlesungsreihe genannt, sie wollen die Debatte über Philosophen wie Marx und Adorno ankurbeln, die im Hörsaal nicht mehr so oft vorkommen. Was früher das Teach-In war, heißt heute "Gegen-Uni".

"Wir sind unzufrieden mit den Verhältnissen", heißt es im Ivi. "Ein Studium muss heute vor allem effizient sein", so die Kritik. Infolge von Gebühren und Modularisierung der Studiengänge bleibe an der Uni kaum Zeit für anderes, kritisches Denken. Im Ivi wird gelesen und diskutiert, hier erholen sich Antifa-Leute nach ihren Demos, spielen junge Bands erste Konzerte: "Theorie, Praxis, Party" lautet das Motto. Insofern kann das Ivi getrost der vielleicht einzige Ort der Stadt genannt werden, an dem das Erbe von 1968 ganz selbstverständlich lebendig ist - ohne runden Jahrestag, ohne alte Fotos und den Satzanfang: "Hach war das schön damals, als wir…"

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Vice Guide to Frankfurt, #2008, S. 28: INSTITUT FÜR VERGLEICHENDE IRRELEVANZ, Kettenhofweg 130—Selbsternannter schmutzigster Ort der Stadt—nicht ganz zu Unrecht. Das ehemalige Anglistik-Institut wurde im Rahmen der Studentenproteste 2003 von linken Gruppen besetzt und dient diesen seitdem als Freiraum und selbstgewähltes Asyl. „Theorie, Praxis, Party“ ist das Motto und inzwischen dürfte sich herumgesprochen haben, dass die Partys, Konzerte und Kneipenabende („Key_Osk“ hier ziemlich gut abgehen.

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[2007]

Frankfurter Rundschau, 25.10.2007: Feiern mit Foucault. Studierende organisieren Gegen-Uni [Übersicht] [Nächster Artikel]

VON KATRIN BRINKMAN

Tote Hunde ausbuddeln? "Es gilt, die Schaufeln auszupacken und die Oberfläche abzutragen", mit diesen Worten kündigt das Institut für vergleichende Irrelevanz sein neues Veranstaltungsprogramm für das Wintersemester an. Gemeint ist die dicke Staubschicht, die sich auf den kritischen Texten von großen Denkern wie Marx, Foucault, Derrida oder Horkheimer angesammelt hat.

In Diskussionen, Referaten und Lektürekursen sollen die Theorien der "toten Hunde" entstaubt, ihre Texte, Themen und Thesen auf Aktualität überprüft werden. "Tote Hunde auf der Überholspur", heißt deshalb auch das Programm der "6. Frankfurter Gegen-Uni" vom 29. Oktober bis 11. November. "Uni mit Inhalten, die an der Uni keinen Platz mehr haben", titelt die Asta der Goethe-Universität dazu.

"Theorie - Praxis - Party"

Seit dem Uni-Streik 2003 hat die vergleichende Irrelevanz das ehemalige Anglistik-Institut im Kettenhofweg 130 besetzt. In einer Zeit, in der Universitäten häufig nur noch "Konkurrenz", "Exzellenz" und "Effizienz" im Blickfeld haben, will die Gegen-Uni Räume bieten für kritisches Denken. Sie sieht sich als Ort des freien und selbstbestimmten Studiums, wo über gesellschaftliche Verhältnisse gesprochen wird. Es ist der Versuch, etwas anders zu machen. Getreu dem Motto "Theorie - Praxis - Party" wechseln sich im großen Hörsaal Seminar und Konzert, Vortrag und Kneipenabend ab.

Bei einem Bier lassen sich Gramscis Hegemonie-Theorien weiter analysieren oder Diskussionen zur Transnationalisierung des Rechts aus feministischer Perspektive vertieft werden. Für eine weiterführende Recherche steht in der Bibliothek im ersten Stock alles, was das linke Herz höher schlagen lässt.

"Frischer Wind"

Mittlerweile hat aber auch die Kunst ihren Platz im Institut gefunden. Seit kurzem gibt es im zweiten Stock ein offenes Atelier für Ausstellungen und Performances. Am 10. November wird es feierlich eingeweiht, stilecht mit einer Kunst-Aktion: Weil die Fassade des denkmalgeschützte Gebäudes derzeit hinter einem Großplakat der Universität mit der Aufschrift "Frischer Wind an der Gothe-Uni" verschwindet, will das Institut ihm mit einer Folieninstallation seinen eigenen Stempel verpassen. Damit setzt es ein deutliches Zeichen gegen den "frischen Wind", der Veränderung impliziert doch nach Meinung des Instituts vielen Studierende dank der Studiengebühren eher als steife Brise oder handfester Sturm entgegenweht.

Mit alternativer Kunst und Lehre ist es bald vorbei: Mehr als drei Jahre lang hat die Universitäts-Leitung die Besetzung toleriert. Nun soll das Gebäude Anfang des nächsten Jahres der Abrissbirne zum Opfer fallen. Zwar habe es Verhandlungen mit Interessenten gegeben, sagt Peter Rost von der Planungsleitung für Standortbestimmung der Hochschule, "aber die Auflagen des Denkmalschutzes hätten bisher alle Käufer abgeschreckt.

Nun will die Goethe-Uni nur das Grundstück verkaufen, der Erlös soll in den Stiftungsfonds fließen. Die Besetzer haben zugesichert, das Haus freiwillig zu verlassen. Sie werden früh genug informiert, sagt Peter Rost. "Ich hoffe aber auf eine faire Lösung für alle Seiten". [Übersicht] [Nächster Artikel] [Anfang]

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junge welt, 25.10.2007 / Wissenschaft & Umwelt / Seite 15: Tote Hunde [Übersicht] [Nächster Artikel]

Am Dienstag startet an der Goethe-Universität in Frankfurt/Main die »sechste Frankfurter Gegenuni«, veranstaltet vom »Institut für vergleichende Irrelevanz«. Unter dem Motto »Tote Hunde auf der Überholspur« möchte man im Kettenhofweg 130 (ehemaliges Anglistikgebäude) wieder Gesellschaftskritik betreiben und hierfür »die Schaufeln auspacken und die Oberfläche abtragen«, um als verstaubt geltende ältere Texte wieder zugänglich zu machen und diskutabel zu halten. Aus dem Programm: »Queer Theory« (30.10.)., »Foucault« (31.10.)., »Zizek« (1.11.), »Diederichsen« (5.11.), »Derrida« (6.11.), »Gramsci« (7.11.), »­Adorno« (9.11./Foto).

www. irrelevanz.tk [Übersicht] [Nächster Artikel] [Anfang]

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Sacco und Vanzetti - magazin neues deutschland. #12, Oktober 2007, S.8: OUBS, ein IVI. Die letzten Freiräume studentischen Eigenwillens. [Übersicht] [Nächster Artikel]

Von Susanne Götze.

Bildung wird immer mehr zur Ware. Das ist nicht nur ein alter attac-Slogan aus Uni-Streikzeiten, sondern mittlerweile gefühltes Leben unter dem neuen Bachelor-Master-System. Neuerdings hetzen die Studenten durch ihr Unileben und müssen in einigen Bundesländern sogar noch ordentlich draufzahlen. Es scheint, der Widerstand an deutschen Universitäten ist gebrochen. Viele Studenten haben sich mit ihrem Schicksal abgefunden – und nicht wenige heißen die marktkonforme Bildung mittlerweile gar nicht so falsch. Im letzten Jahr gab es noch einmal Autobahnbesetzungen und lautstarke Demos – dieses Jahr wird der Ranzen für das neue Semester ohne Murren gepackt. Doch schaut man genauer hin, zeigt sich, dass der Protest am Uni-Alltag nicht einfach vorbeigegangen ist. Aus der Streikorganisation sind in vielen Städten so genannte Alternativunis hervorgegangen. Studenten haben sich hier zusammengetan, um ihre Vorstellungen von einem etwas anderen Unileben umzusetzen. Aus dem So aber nicht sind nun zahlreiche Ideen entstanden, die sich auch die deutschen und europäischen Bildungsminister anhören sollten.

Ein nicht nur vom Namen her eindrucksvolles Beispiel ist das Institut für Vergleichende Irrelevanz in Frankfurt am Main. 2003 hat eine Gruppe engagierter Studenten ein leerstehendes Gebäude der Uni besetzt. Seitdem ist hier ein Zentrum für die kritische Studentenschaft entstanden, das liebevoll IvI genannt wird. Hier finden nicht nur die Vorbereitungen von Protesten und Streiks statt, sondern auch Konzerte, Leseabende und Seminare. Daneben ist das IvI ein Platz für alle, die sich sonst im grauen Studentenalltag etwas verloren fühlen. Der eindringliche Slogan »Theorie-Praxis-Party« verspricht mehr als nur politische Durchhalteparolen. Hier sl vorgelebt werden, was durch neoliberale Bildungspolitik immer mehr unter den Tisch fällt: Zeit und Muße zum Lernen und Leben, Interesse an Themen, die nicht im Stundenplan der Uni auftauchen, sowie kritisches politisches Denken und Handeln. Doch auch vor einer Stadt mit so viel kritischer Tradition wie Frankfurt am Main macht der Zeitgeist nicht halt: Das IvI ist seit einiger Zeit durch einen ausgeschriebenen Verkauf des Gebäudes bedroht.

Alternativunis in anderen Städten waren nicht so lange erfolgreich wie das IvI. In Potsdam boten Studenten gut zwei Jahre ein Alternatives Vorlesungsverzeichnis (AVV) mit Kursen an. Von Spinoza bis zum Sprachkurs Portugiesisch wurden Seminare von und für Studenten im Potsdamer Kulturzentrum KUZE angeboten. Doch seit dem AVV im Sommersemester 2006 hat es keinen neuen Anlauf gegeben. Dagegen hat sich die Offene Uni Berlin (OUBS) zu einem regelmäßigen Treffpunkt für Initiativen und studentische Gruppen der unterschiedlichsten Art entwickelt und ist zu einem beliebten Rückzugsort – nicht nur für Studenten – geworden. Auch wenn die Euphorie und die Aktivitäten seit dem letzten großen Studentenstreik 2005 nachgelassen haben und das OUBS von seiner zentralen Stelle am Hegelplatz in ein etwas verstecktes Haus der Uni neben der Charite umziehen musste, ist das Angebot immer noch enorm. Fast jeden Tag in der Woche ist hier Programm: Vom AK pella Chor bis zum Doku-Film-Abend Rechtsradikalismus. Das OUBS ist im Wortsinne wirklich eine offene Uni: Jedermann kann zu fast jeder Tages- und Nachtzeit die Räume und Angebote nutzen. Diese Offenheit legen weder die Universitäten selbst noch die Politik an den Tag. Dort wird dafür gesorgt, dass die tatsächlichen Spiel- und Freiräume der Studenten immer enger werden.

Mit dem Leistungs- und Zeitdruck im Bachelor-Master- System und der zunehmenden Belastung durch Studiengebühren könnten sich bald auch diese letzten Bastionen studentischen Eigenwillens von selbst erledigen.

Download (*.pdf): http://www.neues-deutschland.de/serveDocument.php?id=18 [Übersicht] [Nächster Artikel] [Anfang]

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Frankfurter Rundschau 18.8.07: Geduldete Protestkultur. Das Aus für das Institut für vergleichende Irrelevanz am Kettenhofweg ist absehbar [Übersicht] [Nächster Artikel]

VON MEIKE KOLODZIEJCZYK

Hunde, die bellen, beißen nicht, heißt es. Tote Hunde noch weniger. Oder doch? Im Institut für vergleichende Irrelevanz (IvI) in Frankfurt ist vieles anders, manches möglich. "Tote Hunde auf der Überholspur" lautet der Arbeitstitel der Programmplanung für das Wintersemester, für die "Gegen-Uni" vom 29. Oktober bis 11. November. Kritische Theoretiker, Thesen und Themen wollen die IvI-Aktivisten auf Biss und Aktualität prüfen. Ideen, die verschütt geraten sind, "von denen oft behauptet wird, sie seien längst überholt", sagt Sabine Winter vom IvI. Tote Hunde eben.

Seit das ehemalige Anglistik-Institut im Kettenhofweg 130 während des Uni-Streiks 2003 besetzt wurde, gibt es in den Räumen des denkmalgeschützten Gebäudes mehr oder weniger regelmäßig Seminare, Lesungen, Vorträge und Ausstellungen. Der alte Hörsaal ist dekoriert für Konzerte, Partys und Kneipenabende, in der Bibliothek im ersten Stock findet sich alles an Lektüre, was linke Herzen höher schlagen lässt. Im zweiten Stock soll bald ein offenes Atelier eingerichtet werden. Gegen Rassismus, Antisemitismus, Sexismus; gegen den Mainstream, wider den akademischen Zeitgeist - "wir sind unzufrieden mit den bestehenden Verhältnissen", sagt Politologie-Student Charlie, der sich mit Nachnamen "Außerhalb" nennt. Das IvI sei ein Versuch, "etwas anders zu machen", neben der Uni eine Alternative zu bieten. "Ein Studium muss heute vor allem effizient sein." Infolge von Gebühren und Modularisierung der Studiengänge bleibe an der Uni, dem "Herrschaftsapparat", immer weniger Zeit für anderes, für kritisches Denken.

Plenum. Eine kleine Gruppe sitzt auf der abgewetzten, bequemen Ledersesselgarnitur im Foyer. Die Wände sind in einem himbeerbonbonfarbenen Dunkelrot angepinselt. In der Ecke daneben hängt das Transparent mit dem IvI-Motto: "Kritisches Denken braucht - und nimmt sich - Zeit und Raum." Zu siebt sind sie nur an diesem Abend in den Semesterferien. Auch das IvI steckt im Sommerloch. Während der Vorlesungszeit kämen dagegen bis zu 30 Teilnehmer zum wöchentlichen Plenum, im Schnitt seien es 15 bis 20.

"Wir sind kein Friede-Freude-Eierkuchen-Verein", sagt der Südostasienwissenschaftler, der permanent asiatisches Knabbergebäck knuspert. Es werde viel gestritten, etliche Meinungen vertreten. Meinungen, die einigen auch zu verquer, zu links, zu radikal sind. "Uns geht es gerade darum, eine Protestkultur zu etablieren."

Eine Protestkultur, die von der Uni-Leitung seit mehr als drei Jahren "toleriert" wird, wie Peter Rost immer wieder betont. Er ist als Planungsleiter für die Standortneuordnung der Uni zuständig für die Vermarktung des Eigenvermögens. Dazu gehört auch das Gebäude im Kettenhofweg. "Wir verhandeln mit Kauftinteressenten und hoffen, dass wir bald zu einem Vertragsabschluss kommen", sagt Rost. Bis dahin nehme das Uni-Präsidium die Besetzung hin, von einer Räumung werde abgesehen. "Es hilft niemandem, wenn wir da mit martialischen Mitteln vorgehen." Sobald das Haus einen neuen Eigentümer hat, müssten die Besetzer es allerdings freiwillig verlassen. "Das haben sie zugesichert." Rost hofft auf eine "erträgliche Lösung für beide Seiten".

Mit einem Verkauf rechnet er frühestens Ende des Jahres. Die Gegen-Uni kann das IvI also auf jeden Fall noch abhalten. "Hier treffen sich Leute", erklärt ein Soziologiestudent den Sinn des Konzepts, "die ohne Schein- und Leistungsdruck Interesse an der Arbeit mit Texten haben und Erkenntnisse daraus ziehen wollen."

Zum Beispiel aus Max Horkheimers Vortrag "Die gegenwärtige Lage der Sozialphilosophie" von 1931, den das IvI-Plenum für die Einstiegsdiskussion in die Gegen-Uni auserkoren hat. Der erste tote Hund auf der Überholspur. Ein weiterer ist der Schriftsteller Peter Weiss und sein 1000-Seiten-Werk "Die Ästhetik des Widerstands". Dann wären da noch der Frankfurter SDS-Theoretiker Hans-Jürgen Krahl sowie der Politikwissenschaftler Johannes Agnoli. "Alles tote Männer", grübelt Charlie Außerhalb, was im Plenum die Frage aufwirft, ob nicht auch der Feminismus ein toter Hund sei. Respektive eine tote Hündin. [Übersicht] [Nächster Artikel] [Anfang]

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(((i))) 8.o7.2007:

bullen umstellen ivi nach naziaufm. ffm [Übersicht] [Nächster Artikel]

ivi 08.07.2007 02:20 Themen: Antifa

gegen 01.30 uhr fuhren mehrere wannen vor dem ivi auf. entschlossen drangen die bullen vor das institutsgebäude vor, griffen sofort mehrere personen ab, durchsuchen diese circa 20. das gebäude ist umstellt und es ist unklar, ob das häusy noch gestürmt wird.

die zwanzig personen werden jetzt mit aufs polizeirevier genommen und müssen die nacht über im knast verbringen. ihnen wird angeblich nichts vorgeworfen (gefahr im verzug)

weitere infos folgen. Artikel-URL: http://de.indymedia.org/2007/07/187134.shtml
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(((i))) 1.o7.2007:

IvI Demo in Frankfurt. [Übersicht] [Nächster Artikel]

Rosalie Schnecke 01.07.2007 19:18 Themen: Antifa Freiräume Kultur

Für Samstag den 30.06.07, hatten 30 Gruppen und Institutionen zu einer Demonstration unter dem Motto „Your IvI needs you! – Für die Schaffung und den Erhalt kultureller Räume“ aufgerufen. Unter den Aufrufenden befanden sich neben anderen ASTA Uni und FH FfM, Linke Liste Uni FfM, Autonomes Zentrum Heidelberg im Exil, autonome antifa [f] und Jugendantifa FfM.

200 Leute waren dem Aufruf gefolgt und fanden sich am Kaisersack, dem Ort der Auftaktkundgebung, ein, um ihre Solidarität mit dem räumungsbedrohten IvI auf die Straße zu tragen. Die lautstarke Demo zog durch das Bahnhofsviertel, dem Willi Brandt Platz, über Hauptwache und Opernplatz und endete am IvI selbst. In Redebeiträgen wurde, neben der Mobilisierung gegen den Naziaufmarsch am 7.7. in Frankfurt, die Abwicklung sämtlicher kritischer Wissenschaft an der Goethe-Uni verurteilt, eine Entwicklung, in deren Zuge auch das IvI zunehmend in Existenzgefahr gerät. Institutssprecherin Rosalie Schnecke kommentiert die aktuellen Entwicklungen um das IvI: „Mittlerweile hat die Uni eine eigene Beraterfirma beauftragt, um das IvI-Gebäude im Kettenhofweg vom Denkmalschutz zu befreien. An diesem Vorgehen ist abzulesen, dass der Uni-Leitung weder an demokratischer Architektur noch an kritischer Wissenschaft gelegen ist – Profit und elitäres Gehabe gehen ihr über alles.“ In einem Redebeitrag der Gruppe sinistra! wurde die Umgestaltung der Uni hin zum reinen Verwaltungstrakt für staatstragende Studierende, wie sie sich bereits im sterilen und herrschaftlichen Alltag des IG Farben-Geländes zeigt, kritisiert. Dort hieß es auch: „Die Besetzung leerstehender Häuser und der Versuch ihre Umfunktionierung zu Räumen der kritischen Auseinandersetzung ist eine Form praktischer Ideologiekritik.“

Die VeranstalterInnen werteten die heutige Demonstration aufgrund der Teilnehmerzahl und der zahlreichen verteilten Flugblätter zur Lage des IvI als Erfolg. Die Demo habe gezeigt, dass das IvI für den Fall einer Verschärfung der Bedrohungssituation auf eine breite Unterstützung in Frankfurt und von außerhalb bauen kann. Rosalie Schnecke erläutert: „Wenn Herr Steinberg uns raus haben will, dann kommen wir auch raus – aus unseren Löchern. Das IvI ist nämlich nicht nur ein Ort, sondern vor allem eine Methode, die sich immer wieder neu ihren Ort sucht. Um eine solche, aufwändige Ortssuche zu vermeiden, fordern wir den Erhalt des Instituts an seinem Stammsitz im Kettenhofweg oder den kostenneutralen Umzug in ein von Seiten der Uni bereitzustellendes, prächtiges Ersatzobjekt.“ Artikel-URL: http://de.indymedia.org/2007/07/186586.shtml
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Jungle World, 27.o4.2007:

Demokratie wird umgebaut [Übersicht] [Nächster Artikel]

Das Frankfurter »Institut für Vergleichende Irrelevanz« ist gefährdet. Um das Gebäude im Kettenhofweg für Käufer interessant zu machen, nimmt man es mit dem Denkmalschutz nicht so genau. von yildiz münzevi

Als der Architekt Ferdinand Kramer Anfang der fünfziger Jahre, auf Bitten Max Horkheimers hin, aus dem amerikanischen Exil nach Deutschland zurückkehrte, sorgten seine Arbeiten schnell für Aufsehen. Er versuchte sich an der Entnazifizierung und Demokratisierung auf architektonischer Ebene. So entwarf er beispielsweise die Gebäude der Frankfurter Universität nach demokratischen Prinzipien. Als exemplarisch gilt heute noch die Verlegung des Rektorats ins Erdgeschoss, »auf die Höhe des Volkes«.

Fünf Jahrzehnte später scheint Kramers demokratische Architektur weniger in die Zeit zu passen. Nachdem Teile der Universität längst im IG-Farben-Haus untergebracht worden sind, dem repräsentativen Bau, der mit seiner herrschaftlichen Bauweise im Kontrast zu den Werken Kramers steht, ist nunmehr der Umzug der restlichen Fachbereiche geplant. Mit dem Verkauf des alten Campus will man Neubauten, die an das IG-Farben-Haus angepasst werden sollen, finanzieren.

So soll auch das ehemalige Institut für England- und Amerikastudien im Kettenhofweg 130, das vor gut drei Jahren besetzt wurde, veräußert werden. Das bereits im Jahr 1954 vom Land Hessen ausgezeichnete Werk Kramers wurde im April 2000 als besonders schützenswertes Kulturdenkmal ausgewiesen. Doch erste Begehungen mit potenziellen Käuferinnen und Käufern blieben erfolglos. Geplant ist eine weitere Begehung mit Vertretern des Frankfurter Denkmalamts sowie der in solchen Belangen erfahrenen Projektmanagement-Firma DU Diederichs. Hier soll über mögliche Eingriffe in die denkmalgeschützte Architektur gesprochen werden.

»Wir verstehen nicht, warum eine weitere Begehung durch den Denkmalschutz notwendig sein sollte. Das Landesdenkmalamt hat das Gebäude besichtigt und weiß, wie es in ihm aussieht. Eine weitere Begehung kann nur der stückweisen Aufhebung des Denkmalschutzes dienen«, sagt Helena Reichert, eine Sprecherin des seit über drei Jahren in dem Bau ansässigen »Instituts für Vergleichende Irrelevanz« (Ivi), das interdisziplinär arbeitet und von Studierenden verwaltet wird.

»Was ist typisch für den Bau, und wo kann man, um eine moderne Nutzung des Gebäudes möglich zu machen, das ein oder andere Zugeständnis machen?« Das sind die Fragen, die sich Stefan Timpe vom Frankfurter Denkmalamt, der Betreuer des Kramer-Baus, im Gespräch mit der Jungle World stellt. Es soll wohl vor allem um die Höhe der Fenster gehen, wie so oft bei Bauten der Moderne. Erhebliche Änderungen an der Fassade könnten die Folge sein. Zwar will das Denkmalamt kontinuierliche Nutzerinnen und Nutzer, die möglichst viel von der Substanz des Gebäudes erhalten wollen. Dass aber im Hinblick auf die zukünftige Nutzung des Gebäudes Konzessionen gemacht werden müssen, scheint bereits festzustehen.

Im Ivi herrscht derweil großes Unverständnis darüber, warum es bei den Verhandlungen übergangen wurde und die derzeitige Art der Nutzung des Gebäudes nicht anerkannt wird. Dabei sieht sich das Institut in der Tradition von Ferdinand Kramer und seinem Konzept der »demokratischen Architektur«. In den drei Jahren seiner Arbeit ist es gelungen, in diesem Haus unter dem Motto »Theorie, Praxis, Party« verschiedenste Gruppen zusammenzubringen. Unter der Prämisse der Kritik an Antisemitismus, Sexismus, Rassismus und Kapitalismus wirken mittlerweile einige Frankfurter Gruppen produktiv zusammen, zwischen denen es bis dato nur sporadische Kooperationen gab. Die kontinuierliche Arbeit im Sinne kritischer Wissenschaft und wilder Theoriebildung ist darüber hinaus unverzichtbarer Bestandteil des Institutsbetriebs. In einem eigenen Institut zu arbeiten, geht über den Politgruppen- und Lesekreisalltag hinaus.

Deshalb möchte sich das Institut eigene Räume im Allgemeinen und im Kramer-Bau im Speziellen nicht nehmen lassen. Schließlich habe man das Gebäude vor Verfall und Abriss bewahrt. »Die Bedingung für eine mögliche Begehung des Instituts wäre die Begehung eines adäquaten Ersatzobjektes unsererseits«, sagt Reichert vom Ivi. Bislang weigert sich die Universitätsleitung jedoch, über eine mögliche Schenkung oder die Bereitstellung geeigneter Ersatzobjekte nachzudenken.

In und um das Haus herum ist spürbar, dass eine Schließung des Instituts viele Leute hart treffen würde. Um dies zu verhindern, formiert sich derzeit ein Bündnis für seinen Erhalt. Das Ivi selber hat für den 26.April zu einem Unterstützungstreffen geladen, um weitere Möglichkeiten des Protestes gegen die drohende Schließung zu erörtern. [Übersicht] [Nächster Artikel] [Anfang]

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Frankfurter Neue Presse, 21.o4.2007

Institut für Irrelevanz [Übersicht] [Nächster Artikel]

Publikum: Vorwiegend Studenten, aber auch nicht-universitäres alternatives Partyvolk kommt zu den Festivitäten im Institut für vergleichende Irrelevanz (IvI). Hierbei handelt es sich um das ehemalige Anglistik- und Amerikanistik-Institut der Frankfurter Goethe-Universität, das Ende Dezember 2003 von Studierenden besetzt und in ein soziales und kulturelles Zentrum umgewandelt wurde.


Atmosphäre: Das IvI hat den Charme eines heruntergekommenen Hörsaalgebäudes, genau das ist es schließlich auch. Wer sich bei den Partys ausruhen will, pflanzt sich auf die hölzernen, ausklappbaren, viel zu engen Bankreihen oder bleibt am besten gleich stehen und hilft, die Tanzfläche zu bevölkern, die anfangs noch viel zu groß wirkt, aber sich gegen Mitternacht dann auch ansehnlich füllt.


Musik: Reggae, Dub, spontane Trommel-Sessions, Independent-Rock, Punk und poppige Balkan-Rhythmen – im IvI feiert die alternative Musikszene in allen Facetten. Die DJs und Bands sind Mainstream-Musik-Hörern meistens nicht bekannt, sorgen aber immer für ungezwungene Partystimmung. Ganz nach dem Motto des Instituts, das sich als offenes Forum für alle gesellschaftlichen Gruppen versteht, regiert hier die Vielfalt. Außer den Partys gibt es auch linksorientierte Vorlesungen und Lesungen sowie Diskussionsgruppen, etwa zu Studentenprotesten, die von den Studierenden organisiert werden.


Getränke: Vielfalt gibt es allerdings nicht bei den Getränken. Man kann zwischen Bier und Cola wählen. Dafür liegen die Preise nur knapp über dem Einkaufspreis: Den halben Liter Bier gibt's zu 2 Euro, die Cola schon für 1,50 Euro.


Öffnungszeiten: Die Partys im IvI beginnen meist um 22 Uhr mit offenem Ende. Über das Programm kann man sich per Newsletter informieren lassen; dazu eine leere E-Mail mit dem Betreff „Newsletter“ an kette130@gmx.net schicken. (ika)



IvI, Kettenhofweg 130, Frankfurt. Internet: http://www.copyriot.com/raumspiel
Artikel-URL: http://www.rhein-main.net/sixcms/list.php?page=fnp2_news_article&id=3677908 [Übersicht] [Nächster Artikel] [Anfang]

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Arte, 4.o1.2007/16.o1.2007.

Das Institut für vergleichende Irrelevanz [Übersicht] [Nächster Artikel]

Randale, Bambule, Frankfurter Schule: Das Institut für vergleichende Irrelevanz. Die Studentengeneration von heute soll kein politisches Bewusstsein mehr haben? Von wegen! Eine Gruppe Unbeugsamer hat sich ihren eigenen Traum von Universität geschaffen…

Dezember 2003: Studenten der Universität Frankfurt besetzten das ehemalige Gebäude für Anglistik- und Amerikanistik. Geburtsstunde des "Instituts für vergleichende Irrelevanz", kurz IVI. Den an der Uni gelehrten Inhalten, die sich fast nur noch an ihrer Verwertbarkeit orientieren, den Privilegien des Wissens, setzt das iVi die Gegenuni entgegen - Lesekreise, autonome Tutorien und Diskussionsveranstaltungen, in denen Kritik als zentraler Aspekt des Denkens wieder statt finden kann. Der Versuch, die Trennung von öffentlich und privat aufzuheben, kritische Theorie nicht nur zu denken, sondern weit möglichst auch zu leben, ist ein wesentlicher Bestandteil des IVI's. Es geht darum sich nicht mit den sogenannten Reformen der Politiker abzufinden und horrenden Studiengebühren studentischen Widerstand entgegenzusetzen. Überfüllte Seminare, nicht besetzte Lehrstühle, vorgeschriebene Stundenpläne – das ist die Uni-Realität. Protestgründe gibt's genug. Bildungspolitiker zieht Euch warm an: Die Frankfurter Querdenker aus dem „Institut für vergleichende Irrelevanz“ haben ihre eigene Vision von Universität ...

Artikel-URL: http://www.arte.tv/de/kunst-musik/tracks/20050106/1447712.html [Übersicht] [Nächster Artikel] [Anfang]

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[2006]

Deutschlandradio, 9.11.2006. [Übersicht] [Nächster Artikel]

Gegenuni in Frankfurt am MainStudieren am Institut für vergleichende Irrelevanz. Von Anke Petermann

Vor drei Jahren besetzten linke und autonome Hochschulgruppen an der Uni Frankfurt das damals leer stehende Anglistik-Institut und gründeten dort das "Institut für vergleichende Irrelevanz". Im offenen Plenum, das das Haus verwaltet, arbeiten rund 25 Unterstützer mit. Zweimal im Jahr, jeweils zu Anfang des Semesters organisiert das IVI eine zweiwöchige Gegenuniversität. Bis zum Wochenende noch laufen Einführungen in die Marxsche Theorie und in die Philosophie Michel Foucaults, Konzerte, Partys und Couch-Plausch.

Ich kann euch auch schon mal einen Text geben, dann könnt ihr auch schon mal in den Text gucken,

sagt Dascha Klingenberg, Soziologiestudentin im 9. Semester und drückt dem wartenden Sergej einen Packen zerknitterter Kopien in die Hand, Auszüge aus Judith Butlers "Körper von Gewicht". Die Dozentin für vergleichende Irrelevanz muss dann noch mal ein Stündchen weg - ein Seminar besuchen, das sie anders als geplant doch nicht ausfallen lassen kann. Die bislang drei Butler-Interessenten nehmen die Verschiebung gelassen. Dafür, dass die Referentin unter Zeitdruck steht, hat Karolin Vogel, Kunstpädagogik-Studentin im vierten Semester, vollstes Verständnis:

Ich komme gerade von einer Ethnologie-Veranstaltung und dachte, ich muss mir mal was Kritisches anhören und hinterfragen. Und ich finde, das lässt halt nach, dass man kritische Theorien liest und bespricht: Man hat auch wenig Zeit dafür natürlich. Gerade hat ein Kollege gesagt, er kann nicht kommen weil wir 2010 fertig sein müssen und er voll unter Druck ist und wir voll viel lernen müssen, damit wir das alles mit den Scheinen hinkriegen, und genau das ist der Punkt, weshalb man das hinterfragen sollte.

Zwanzig Minuten später kommt immerhin der Koreferent und wirft in dem Raum mit den blau melierten und gelben Wänden das elektrische Heizöfchen an. Johannes Wilhelm ist einer der Mitgründer des Instituts für Vergleichende Irrelevanz, das in den drei Jahren seiner Existenz schon Klassiker entwickelt hat. Die Einführungen in die Philosophie von Adorno, Foucault und Butler gehören dazu:

Die, die so Renner sind, das sind so Sachen, die die Leute aus ihrem Uni-Alltag schon kennen, die aber nicht so richtig einfach sind.

Eine Stunde nach offiziellem Veranstaltungsbeginn haben sich neben den Referenten fünf weitere Studierende und zwei Schüler in den ausgesessenen Sofas Tischchen niedergelassen, eine durchschnittlich besuchte Veranstaltung der linken Nische namens Gegenuni.

Mein Name ist Wolf, ich studiere im dritten Semester Politologie. Ich habe schon Seminare besucht. Da wurden auch feministische Theorien besprochen, aber die Butler wurde immer so abgetan und deshalb würde es mich reizen, was dazu zu machen, in den Seminaren, wo ich war, wurde das nicht mehr besprochen.

An der Gegenuni hat Platz, was nach Meinung der Veranstalter immer noch tabuisiert wird. Dass die rot-grüne Bundesregierung Zwangsarbeit verharmloste, wollen sie beispielsweise in ihrer Skandalgeschichte der Zwangsarbeiterinnenzahlung entlarven. Butler, Adorno Foucault - sie werden an der Uni behandelt, allerdings im Schnelldurchgang, bemängelt Johannes Wilhelm. "Kritisches Denken braucht Raum und Zeit" steht auf einem riesigen Transparent unten im angeschmuddelten Foyer des besetzten Hauses. Die Entdeckung der Langsamkeit ist Programm am Institut für vergleichende Irrelevanz. Zwei Seiten Judith Butler in zwei Stunden - Slowfood fürs Hirn - indirekt eine Antwort der Gegenuni auf die soeben in Hessen beschlossenen allgemeinen Studiengebühren und auf die bereits erhobenen Langzeitstudiengebühren

Als Teil der Reaktion dagegen wurde ja damals das Institut gegründet. Genau diese Langzeitgebühren machen sich ja schon eklatant bemerkbar, dass sie Leute immer weniger Zeit haben für Sachen, die neben der Uni passieren, für Arten der Theorie-Aneignung oder Erkenntnisproduktion oder was auch immer.


Diese Zwänge lehnen die Mitarbeiter am Institut, das sie kurz IVI nennen, ab, nicht aber die Universität als solche:

Und es gibt auch schon Kooperationen mit der Uni, also es werden Leute eingeladen, die hier Vorträge halten. Also gerade aus dem akademischen Mittelbau machen schon Öfter welche bei Veranstaltungen mit.

Wie Rahel Jaeggi, Mitarbeiterin am Institut für Philosophie, die den Veranstaltern gute Arbeit bescheinigt. Ende der Woche läuft die Gegenuni aus, das Institut für vergleichende Irrelevanz arbeitet wie gewohnt weiter mit Lesekreisen und autonomen Tutorien. Ein neuer Lesekreis hat sich soeben gebildet. Der über Judith Butler. Nächste Woche will er sich wieder treffen und weiter versuchen, den komplizierten Gedankenkonstrukten über erzwungene Geschlechteridentitäten auf die Spur zu kommen.

Dabei kann man auch schon mal zu geben, dass man diese Zwänge in der Pubertät selbst als quälend empfunden hat. In einem normalen Seminar hätte Jan sich solch eine persönliche Bemerkung vermutlich gespart:

Aber hier weiß ich, dass sich die Leute zumindest für das Thema interessieren, während es sein kann , dass man im Seminar mit Leuten zusammensitzt, die eigentlich nur da sind, weil sie denken, sie müssten da sein und auch weil hier ein höheres Maß an Intimität einfach herrscht.

Artikel-URL: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/campus/560884/ [Übersicht] [Nächster Artikel] [Anfang]

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Frankfurter Rundschau, 3.11.2006

Studenten organisieren Gegen-Uni. [Übersicht] [Nächster Artikel]

Im Frankfurter Institut für vergleichende Irrelevanz diskutiert der wissenschaftliche Nachwuchs über das gute Leben Partys, Diskussionen über Marx und philosophische Seminare. Im Kettenhofweg bieten Studenten ein Programm mit Themen an, die sie an der Uni vermissen.

Frankfurt - Alle Reihen des Hörsaals sind besetzt. Auf den schmalen Tischen stehen Lebkuchen, Bierflaschen und Kerzen. In dichtem Zigarettenqualm wird angeregt diskutiert. Mit der Atmosphäre einer Universitäts-Vorlesung hat die Veranstaltung nicht viel gemeinsam. Gegen-Uni nennt sich das zweiwöchige Programm, bei dem Ausstellungen, Diskussionen, Arbeitsgruppen und Lesekreise angeboten werden. Und der Veranstaltungsort ist auch kein gewöhnlicher Hörsaal. Der Raum befindet sich im Institut für vergleichende Irrelevanz.

"Kritisches Denken braucht Zeit und Raum" steht auf einem Transparent im Flur. "Wir setzen uns hier mit Themen auseinander, die uns in der Universität fehlen", erklärt Hanni Hausschuh. Der Student ist einer der Veranstalter, die das Programm seit zwei Jahren jedes Semester organisieren. "Wir verstehen uns aber nicht als Ablehnung der Universität, sondern als eine andere Plattform mit alternativen Inhalten und Strukturen," sagt der 23-Jährige.

Dazu zählt auch die Selbstverwaltung des Instituts, das vor drei Jahren gegründet wurde. Damals gab es Proteste gegen Gebühren für Langzeitstudierende. Mabura Oba hat 2003 an den Streiks teilgenommen. "Wir haben damals mit etwa 300 Personen das leer stehende Gebäude besetzt", erinnert sich die 26-jährige Soziologiestudentin. Seitdem nutzen ganz unterschiedliche Gruppen das Haus. " Das Institut versteht sich als ein offenes und selbstbestimmtes Plenum für alle, die Interesse haben, daran teilzunehmen", erklärt Daniel Loick.

Der Philosophiestudent sitzt vorne im Hörsaal in einem alten Sessel neben Rahel Jaeggi. Sie ist Mitarbeiterin des Instituts für Philosophie an der Universität. Gemeinsam diskutieren sie über Konzepte des guten Lebens und die Kritik verschiedener Lebensformen. Jaeggi kennt viele Teilnehmer aus ihren Seminaren. "Sie machen interessante Politik und gute Veranstaltungen", lobt die Wissenschaftlerin die Veranstalter. Im zweiten Stock befindet sich derzeit die Ausstellung "Bangkok - City of Angels". In einer bunten Collage aus Fotos und Texten setzt sich die Künstlerin Claude Cazare mit der Protestkultur in Thailand auseinander.

Ob die Gegen-Uni auch in den kommenden Semestern stattfinden wird, ist unklar. Die Organisatoren befürchten eine Räumung des Gebäudes, das der Uni gehört und verkauft werden soll. Inga Rahmsdorf . [Übersicht] [Nächster Artikel] [Anfang]

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Jungle World, 12.o7.2006:

Zu irrelevant. Drohende Räumung in Frankfurt am Main. [Übersicht] [Nächster Artikel]

Der Grundsatz des »Instituts für vergleichende Irrelevanz« (Ivi) prangt an der Fassade des Gebäudes: »Kritisches Denken braucht und nimmt sich Zeit und Raum.« Das Ivi ist ein in Frankfurt einzigartiges politisches, kulturelles und wissenschaftliches Projekt. Im Rahmen der Proteste gegen die Einführung von Stu­dien­gebühren für Langzeitstudierende vor zweieinhalb Jahren besetzten rund 300 Studierende das leer stehende Gebäude im Kettenhofweg und machten es als »Centro sociale« nutzbar. Seither beschäftigt man sich dort mit kritischer Theorie und Praxis und veranstaltet Konzerte und Partys. In der kommenden Woche droht die Räumung.

Bereits im Wintersemester 2001?/2002 von Studierenden gegründet, nutzte das Institut zunächst ein leer stehendes Universitätsgebäude und residierte im Sommersemester 2002 in einem Zeltcamp mehrere Tage auf dem Campus des ehemaligen IG-Farben-Hauses. Beim Einzug in die heutigen Räumlich­keiten hätte wohl niemand damit gerechnet, dass man so lange am gleichen Ort würde bleiben können.

Nachdem im Frühjahr in Verhandlungen mit dem Präsidium der Universität die Räumung hat verhindert werden können, droht sie nun endgültig. »Es gab seit Monaten keinen Kontakt mit der Leitung der Universität mehr«, sagt ein Sprecher des Ivi. Zudem ha­be das Präsidium schon im Frühjahr klargestellt, dass es dem Projekt eine letzte Frist bis zum Ende der Vorlesungszeit des Sommersemesters gewähre, nach der Räumung aber keinesfalls ein Ersatzobjekt anbieten werde – obwohl die Universität nach ihrem Umzug ins ehemalige IG Farben-Haus im Frankfurter Westend über zahllose leer stehende Gebäude rund um den Campus in Bockenheim verfügt.

Was sich hochschulpolitisch als konsequent vorangetriebener Abbau von kritischer Theorie und Wissenschaft bemerkbar macht, findet im Umgang mit kritischen Studierenden seine Entsprechung. Denn das Ivi versteht sich als ein Projekt, das »unabhängig, aber in kritischer Verbundenheit mit der Frankfurter Universität« Studierenden und Nicht-Studierenden gleichermaßen ermöglichen will, »zweckfrei zu studieren und sich mit anderen theo­retisch zu bilden«, wie es in einer Petition zu seinem Erhalt heißt. Linke Gruppen veranstalten regelmäßig Lesekreise, Diskussionsveranstaltungen, Filmabende, autonome Tutorien, aber auch viele Konzerte und Partys. Bereits zwei Mal fanden dort die Veranstaltungen der »Gegen-Uni« statt, die versucht, allen Interessierten eine demokratische, kritische Wissenschaft und Lehre jenseits von »Positivismus und spezialisiertem FachidiotInnentum« zugänglich zu machen.

Besonders scheint sich die Universitätsleitung am Engagement des Ivi während der der­zeitigen Proteste gegen Studiengebühren zu stören. So soll dem Präsidenten der Universität, Rudolf Steinberg, während einer Sitzung zu diesem Thema gar der Wunsch über die Lippen gekommen sein, »dieses Nest auszuräuchern«, wie ein Teilnehmer der Sitzung berichtete.

Bis zur Räumung finden täglich Veranstaltungen und Versammlungen statt, bei denen sowohl die inhaltliche Arbeit des Projekts fort­geführt als auch über seine Zukunft diskutiert wird. Unterstützung bekam das Ivi bereits von der Studierendenschaft, die am 21.?Juni auf einer Vollversammlung eine Resolution für seinen Erhalt verabschiedete. »Eine ersatzlose Auflösung des Instituts für vergleichende Irrelevanz, wie sie der Unileitung vorschwebt, werden wir nicht dulden«, heißt es darin. Das Institut solle entweder im jetzigen Gebäude bleiben oder in einem »vergleich­baren, prachtvollen Ersatzobjekt« unterkommen.

jesko bender [Übersicht] [Nächster Artikel] [Anfang]

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Frankfurter Rundschau, 15.o3.2006

Galgenfrist für das Protest-Haus. [Übersicht] [Nächster Artikel]

Institut für vergleichende Irrelevanz muss nicht zum 1. April ausziehen, beklagt aber fehlende Unterstützung der Uni "Kritik braucht Raum und Zeit" - unter diesem Motto nutzt das Institut für vergleichende Irrelevanz seit Ende 2003 das alte Anglistik-Gebäude im Kettenhofweg. Am 1. April sollte es damit vorbei sein, nun garantiert die Universität eine Verlängerung bis zum Ende des Sommersemesters.

Frankfurt · Musik, schummeriges Licht, die Wände verkleidet mit schwarzer Plastikplane. In der Mitte des Raumes etwa 20 Studenten, die reden und trinken, an diesem Abend sogar Sekt. Denn es gibt etwas zu feiern im Hörsaal des ehemaligen Anglistik-Instituts im Kettenhofweg 130, das im Dezember 2003 im Zuge des Uni-Streiks "nutzbar gemacht", also besetzt wurde. Als Protest gegen die Missstände im Sozial- und Bildungsbereich entstand damals das Institut für vergleichende Irrelevanz (IVI). Über zwei Jahre und zahlreiche Vorträge, Konzerte, Kultur- und Diskussionsprojekte später soll nun der denkmalgeschützte Bau des Architekten Ferdinand Kramer geräumt werden, weil die Uni ihn später verkaufen will. Das IVI muss allerdings nicht zum 1. April, sondern erst zum Ende des Sommersemesters ausziehen, wie Peter Rost, Planungsbeauftragter der Uni, dem Institut am Nachmittag mitgeteilt hatte. Daher der Sekt.

"Kein Rechtsanspruch"

Bei aller Freude über die Galgenfrist ist die Stimmung nicht euphorisch. "Natürlich ist es sehr schön, dass das Uni-Präsidium uns die weitere Nutzung des Instituts zugesagt hat und wir unser aktuelles Programm noch abhalten können", sagt Tina Dietrichs vom IVI. Doch letztlich sei es nur eine Vertagung des Problems: "Die Uni hat sich bislang nicht um ein Ersatzobjekt bemüht, in dem wir unsere Arbeit fortsetzen können." Bereits im September 2005 war die Liegenschaft zum Verkauf inseriert. Die Mitarbeiter der Universität hatten versichert, das Institut zu informieren, sobald sich Interessenten melden und Gebäude-Begehungen anstehen sollten. Nach längerer Kontaktpause ereilte die IVI-Delegation im Februar plötzlich die Nachricht, das Haus solle bis zum 1. April verkauft sein.

Wer hier welche Gerüchte oder gar tatsächliche Pläne ausplauderte, lässt sich angesichts der verworrenen Kommunikationspfade zwischen IVI und Uni kaum klären. Das Präsidium dementiert jedenfalls den genannten Termin, den es "offiziell" nie gegeben habe. "Es ist vereinbart, dass die Benutzer ausziehen müssen, sobald ein Käufer gefunden ist", sagt Brita Schemmann, Sprecherin der Universität. Das Sommersemester über könne das IVI noch bleiben. Man sei "sehr zuversichtlich", dass dann ein neuer Eigentümer gefunden sei. Was die weitere Zukunft des Instituts betreffe, habe die Uni-Leitung immer wieder deutlich gemacht, dass aus der jetzigen geduldeten Nutzung "kein Rechtsanspruch abgeleitet werden kann". Für studentische Aktivitäten biete das Studierendenhaus auf dem Campus Bockenheim ausreichend Platz, Alternativräume für das IVI seien nicht vorgesehen.

Als "politische Strategie" und "Ignoranz gegenüber unserer Arbeit" werten das die IVI-Mitglieder - zumal die Uni im Besitz vieler leer stehender Gebäude sei. "Das Institut wird als Party- und Kommerzeinrichtung diskreditiert und nicht als das ernst genommen, was es ist", sagt ein Politologiestudent. Zwar gebe es auch Feste und Konzerte, doch vor allem widme sich das IVI mit Vorträgen und Veranstaltungen der "wissenschaftlichen, interdisziplinären Arbeit", alternativ und ergänzend zu den regulären Studien-Angeboten. Das Institut sei eine Art "Uni in der Uni", eine Nische studentischer Politkultur, in der ohne Zeit- und Leistungsdruck Themen vertieft werden könnten. Denn infolge ihrer Umstrukturierung sei an der Universität "kritisches Denken" kaum noch gefragt, im Studium ginge es primär um "reproduktives Lernen und schnellstmöglichen Abschluss", sagt ein IVI-Mitglied.

"Wir werden unser Ziel eines dauerhaft angelegten Instituts nicht aufgeben", sagt Institutssprecherin Rosalie Schnecke. Bisher haben rund 700 Unterstützer eine Petition für den Erhalt des IVI unterzeichnet, darunter Dozenten und Vertreter von Vereinen und Institutionen. Meike Kolodziejczyk [Übersicht] [Nächster Artikel] [Anfang]

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frankfurt_news, 5.o3.2006

Besetztes Institut wird geräumt. [Übersicht] [Nächster Artikel]

Studenten müssen den denkmalgeschützten Bau im Kettenhofweg 130 am Semesterende verlassen GUT ZWEI JAHRE ist es her, dass Studenten der Goethe-Uni das leer stehende Universitätsgebäude im Kettenhofweg 130 besetzten und im Rahmen des damaligen Unistreiks ihr "Institut für vergleichende Irrelevanz" (IVI) gründeten. Der denkmalgeschützte Bau von Ferdinand Kramer hatte seit dem Auszug des Anglistik- und Amerikanistikinstituts 2001 leer gestanden.

Aus der Besetzung wurde eine Duldung, beruhend auf einer Absprache mit Kanzler Wolfgang Busch. So konnte das IVI durch eine Mischung aus Wissenschaft und Kultur wie etwa Vorträgen, Konzerten, Ausstellungen und Diskussionen den "massiven Missständen im Bildungs- und Sozialbereich" begegnen - doch damit soll nun Schluss sein. Ein Gespräch mit der Universitätsleitung in der vergangenen Woche ergab: Das Gebäude soll verkauft werden, das IVI wird heimatlos. Alternative Räumlichkeiten sollen nicht zur Verfügung gestellt werden.

Schonfrist bis Semesterende

"Die Leitung hat eine mehrgleisige Entscheidung getroffen", sagt IVI-Sprecherin Tina Dietrichs. "Bis zum Semesterende können wir bleiben und die geplanten Veranstaltungen durchführen. Man ist jedoch nicht bereit, uns langfristig neue Räume anzubieten." Dietrichs wertet dies als negatives Signal bezüglich der Anerkennung des Instituts. Ihre Institutskollegin Rosalie Schnabel pflichtet bei, dass dies nur als "eine politische Entscheidung gegen die mittlerweile in der studentischen Kultur und weit darüber hinaus fest verankerte Institution verstanden werden" kann.

Dennoch wollen die Studenten weitere Gespräche führen. "Wir müssen ausloten, ob es doch noch räumliche Alternativen gibt. Die Unileitung stellt sich aber eher stur", bedauert Dietrichs. Eine Petition zum Erhalt des unabhängigen Forschungszentrums wurde von namhaften Personen und Initiativen aus Wissenschaft und Kultur unterzeichnet. Die Goethe-Uni plant den Verkauf des Objekts, das in seinen Grundstrukturen erhalten bleiben muss, zum Ende des laufenden Semesters und besteht auch nach dem Gespräch am vergangenen Mittwoch auf der Veräußerung.Petra Knobel [Übersicht] [Nächster Artikel] [Anfang]

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(((i))), 3.o3.2006: Arbeit des IvI (Ffm) geht vorerst weiter! [Übersicht] [Nächster Artikel]

"Institut für vergleichende Irrelevanz" (Ffm) 03.03.2006 12:18
Am Mittwoch, den 01.03.06, wurde in einem Verhandlungsgespräch von Seiten der Leitung der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität der Delegation des Instituts für vergleichende Irrelevanz mitgeteilt, dass die angedrohte Räumung des Instituts vorerst ausgesetzt wird und es die Arbeit bis zum Vorlesungsende des Sommersemesters 2006 in den Räumlichkeiten des Kettenhofweg 130 fortsetzen kann.
Institutssprecherin Rosalie Schnecke dazu: „Wir begrüßen es, dass das Uni-Präsidium die weitere Nutzung des Instituts im Kettenhofweg 130 bis zum Ende des Sommersemsters zugesagt hat und somit die geplanten Veranstaltungen stattfinden können.“ Allerdings wurde gleichzeitig deutlich gemacht, dass die Universität nach dem Verkauf des Gebäudes, an dem weiterhin festgehalten wird, keine Alternativräumlichkeiten zur Verfügung stellen will. Nochmals die Institutssprecherin: „Dies bedeutet für uns andererseits nur eine zeitliche Verschiebung des Problems. Eine langfristige Planungssicherheit bietet diese Entscheidung weiterhin nicht. Da die Universität im Besitz vieler leerstehender und ungenutzter Gebäude ist, kann dies weiterhin nur als eine politische Entscheidung gegen die mittlerweile in der studentischen Kultur, und weit darüber hinaus fest verankerte Institution verstanden werden.“
Die Hauptforderung, der dauerhafte Fortbestand des Instituts in angemessenen Räumlichkeiten, wurde daher bisher nicht erfüllt, sondern nur temporär vertagt. Gerade angesichts des großen UnterstützerInnenkreises aus Wissenschaft, Forschung und Kultur weit über Frankfurt hinaus, wird das Institut für vergleichende Irrelevanz den Kampf um ein adäquates Ersatzobjekt nicht aufgeben. Ein letztes mal die Sprecherin: „Für uns bedeutet dies, dass wir uns weiterhin für den dauerhaften Betrieb des Instituts einsetzen werden. Die Verhandlungen müssen fortgesetzt werden. Wir werden unser Ziel eines dauerhaft angelegten Instituts nicht aufgeben und mit den gegebenen Mitteln weiter dafür kämpfen.“
Als Anlage finden sie die nächsten Veranstaltungstermine.

KRITISCHES DENKEN BRAUCHT UND NIMMT SICH ZEIT UND RAUM!
SPAMSTOPPER.kette130@gmx.net http://www.irrelevanz.tk

Artikel-URL: http://de.indymedia.org/2006/03/140352.shtml
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[2005]

AStA-Zeitung, #10/2005

„Das Verdrängte kehrt zurück“ (Sigmund Freud)

Gegen-Uni die Zweite Uni für alle – und zwar umsonst!

Wir haben nach dem Wintersemester 2003 / 2004 erlebt,wie viele unserer KommilitonInnen aus der Uni gekegelt wurden, die nicht in der Lage waren,Summen von bis zu über 1000 Euro pro Semester an Studiengebühren und Verwaltungskostenbeiträgen zu bezahlen – so genannte „Langzeitstudierende“. Durch die aktuelle Planung der Einführung von Studiengebühren ab dem 1. Semester werden zusätzlich alle irrelevantisiert, deren Eltern keine GroßverdienerInnen sind. Gleichzeitig wurden die Rechte Studierender, an ihrer Uni demokratisch mitzubestimmen, durch das neue Hessische Hochschulgesetz drastisch eingeschränkt. Und die Unileitung will kritische Ansätze in Forschung und Lehre weiterhin zum Schweigen bringen. Diese werden durch Positivismus und spezialisiertes FachidiotInnentum ersetzt, während die Hirnforschung gleich den freien Willen ganz abzuschaffen sich anschickt. Die Reduktion der Subjekte auf Reiz- Reaktionsbündel nimmt ihnen nicht nur die Last der Verantwortung von den Schultern, sondern passt sich ein in die „totale Mobilmachung“ (Bröckling) der Subjekte für flexibilisierte Produktionsformen und bestärkt das Bestehende.

Doch damit ist jetzt Schluss – denn wir machen unsere Uni jetzt selbst, gebührenfrei, kritisch und offen für alle.

In der Woche vom 07.11.-11.11.2005 werden wir mit der Gegen-Uni zeigen, dass es auch anders geht. Wir laden alle Irrelevanten ein, das Programm aktiv mitzugestalten. In selbst organisierten Seminaren, Veranstaltungen und Tutorien werden wir uns mit Themen beschäftigen, die nicht mehr in das offizielle Bild der schönen neuen Steinberg-Uni passen: Von der Kapitalismuskritik zur Popmusik, von der Filmtheorie zum Antifaschismus, von der Globalisierung zum Feminismus. Wir wollen damit einen Raum schaffen, in dem es wieder möglich ist, alternative Wissenschaft zu betreiben, in dem wir ohne Ellenbogen, Leistungsdruck und Konkurrenzkampf voneinander lernen können. Keine Scheine, keine Noten – keine Zugangsbeschränkungen und keine Gebühren: So werden wir uns das kritische Wissen selbstbestimmt aneignen, das man uns im offiziellen Lehrbetrieb vorenthalten will. Während die Universitäten fröhlich die Abschaffung von Theorie vorantreiben, liegt es an jeder selbst, herauszufinden, wie und wo Gesellschaftstheorie als Kritik gegenwärtig möglich ist.

07.11-11.11.05 im Institut für vergleichende Irrelevanz

Was ist das für ein Institut?

Das Institut für vergleichende Irrelevanz (kurz „ivi“, das sich auf dem Campus Bockenheim im Kettenhofweg 130 befindet, existiert seit mittlerweile fast zwei Jahren. Im Dezember 2003 wurde es von ca. 300 Studierenden nach einer Vollversammlung im Rahmen des Hochschul-Streiks gegen Studiengebühren und Sozialabbau gegründet.

Damit wurde ein Raum eröffnet, der Studierenden, Lehrenden und allen Interessierten Möglichkeiten bietet, unabhängig vom regulären Hochschulbetrieb eigene Veranstaltungen zu machen. Seitdem sind diverse Gruppen und Initiativen im Haus aktiv, die ein vielfältiges kulturelles Programm anbieten. Das Angebot erstreckt sich über Lesekreise, autonome Tutorien, Kino, Kneipe, Konzerte, Vorträge, Ausstellungen bis hin zu Partys. Das ivi ist somit sowohl ein sozialer Treffpunkt als auch ein Ort, an dem kritische Wissenschaften einen Platz finden. Momentan ist jeden Mittwochabend Kneipe (key_osk) und donnerstags immer Kino um 22 Uhr. Montags ab 18 Uhr findet unser Öffentliches Haus-Plenum statt. Wenn ihr euch einbringen möchtet oder einfach mal reinschauen wollt, seid ihr hiermit eingeladen!

Wer regelmäßig über das Programm informiert werden möchte, kann sich in den Newsletter eintragen: Dazu schickt ihr eine leere Email an kette130@gmx.net, dann werdet ihr in den Info-Verteiler aufgenommen.

Außerdem hat das ivi eine Homepage, auf der ihr auch alles über die Gegen-Uni erfahren könnt:

www.irrelevanz.tk

Download als *.pdf:

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[2004]

(((i))), 10.o1.2004: ivi in frankfurt/m lebt noch![Übersicht] [Nächster Artikel]

ivi-sympathisantin 10.01.2004 02:36 Themen: Bildung Freiräume Repression
In diesem beitrag geht es um das am 3.12.2003 besetzte uni-institut in frankfurt am main. vom kommenden montag an wird es wieder öffentliche veranstaltungen dort geben. alle interessierten sind eingeladen vorbeizuschauen!

IVI in frankfurt/m lebt noch

das institut für vergleichende irrelevanz öffnet wieder. aufgrund von verhandlungen mit der unileitung fanden in der zeit vom 22.12-11.1.04 keine öffentlichen veranstaltungen im IVI statt. die zukunft des IVI ist jedoch weiterhin unklar. Am 12.dezember wird ab 9uhr ein eröffnungsfrühstück stattfinden, ein regelmäßig aktualisierter veranstaltungskalender ist abrufbar unter copyriot.com/raumspiel. wie auch vor der winterpause wird es wieder diskussionsveranstaltungen, autonome tutorien, filmvorführungen etc. geben – und natürlich party.

wir erinnern uns: nachdem am 3.dezember die weiterführung des streiks auf der uni-weiten vollversammlung von den studierenden der uni-frankfurt beschlossen wurde, besetzten studentInnen und andere irrelevantisierte das leerstehende ehemalige anglistik-institut im kettenhofweg 130. dieses haus ist jetzt also seit über einem monat zwangsenteignet und wir fühlen uns dabei von tag zu tag wohler.

auch weiterhin gilt das motto “theorie, praxis, party”. wir wollen zeigen, was die forderung nach einem freien, selbstbestimmten leben bedeuten kann. gemeinsames wohnen, gemeinsames leben und lernen sind die vorraussetzung für die veränderung der herrschenden verhältnisse in denen wir nur anhängsel des verwertungsprozesses sind. wir fordern alle irrelevantisierten auf, uns zu unterstützten, sich mit diskussionen und eigenen veranstaltungen etc. zu beteiligen – und nicht zu funktionieren wie es die “sachzwänge” von ihnen verlangen.

FÜR EINE SOZIALE SICHERUNG ALLER OHNE VERACHTENDEN ARBEITSZWANG. Artikel-URL: http://de.indymedia.org/2004/01/71454.shtml
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[2003]

Die Tageszeitung, 20.12.2003: was fehlt. Dass Adorno die Polizei holt. [Übersicht] [Nächster Artikel]

Der ist tot, und seine professoralen Nachfolger an der gerade bestreikten Frankfurter Uni wurden bisher nicht als "Büttel des autoritären Staates" beschimpft. Die StudentInnen wiederum machen ihre eigene Schule auf. Seit zwei Wochen halten sie das zum Abriss bestimmte ehemalige Anglistik-Institut besetzt und haben dort das Institut für vergleichende Irrelevanz neu eröffnet. An ihm soll die Forderung nach einem für alle freien und selbstbestimmten Studium realisiert werden. Jetzt will die Unileitung die Besetzung nicht mehr dulden und pocht auf angebliche Absprachen. Sie droht mit der Polizei. "was fehlt" solidarisiert sich mit dem Institut, denn Geschichte soll sich ja nicht mehr wiederholen. [Übersicht] [Nächster Artikel] [Anfang]

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Frankfurter Rundschau, 10.12.2003

Besinnliche Hausbesetzung [Übersicht] [Nächster Artikel]

Seit Anfang Dezember wohnen Studierende in einem leer stehenden Uni-Gebäude, doch Ärger wollen sie vermeiden. von Kati Obermann

Die Ruhezeiten werden beachtet, und wer in dem besetzten Haus im Kettenhofweg 130 ein Zimmer betritt, der klopft vorher an. In dem ehemaligen Anglistik- Institut herrscht Ordnung.

"Du musst den Knick genau entlang der Falz machen." Angela weiht ihr Gegenüber in die Geheimnisse der Papierfaltkunst ein. Es herrscht Adventsstimmung in dem etwa 20 Quadratmeter großen Raum. Kaffeeduft zieht durch das warme Zimmer, im Hintergrund läuft das Radio, und auf dem Fensterbrett brennt eine Kerze. Was auf den ersten Blick wie Weihnachtsbasteln für den Kirchenbasar aussieht, ist eine politische Streikaktion engagierter Studenten im seit Anfang Dezember besetzten ehemaligen Anglistik-Institut im Kettenhofweg 130. Fünf angehende Japanologen sitzen im "Japancenter der Goethe-Universität" in der ersten Etage des besetzten Hauses und knicken Kraniche. Sie hocken im Kreis um eine Obststeige,, in der bereits hunderte bunter Vögel liegen. "Die wollen wir an Roland Koch schicken", sagt die 22-jährige Origamikünstlerin Angela. "Unsere Art zu sagen, dass wir seine Sparmaßnahmen bescheuert finden. " Die Fachschaft Japanologie ist rege, der Raum rund um die Uhr besetzt. Mindestens zwei Studenten übernachten hier täglich. Manga-Poster zieren die Wände.

Heizlüfter sind unverzichtbar

Vor der Tür des "Japancenter" ist es bitterkalt. Die Heizung im Haus funktioniert nicht. Quer durch das Treppenhaus winden sich unzählige Verlängerungsstrippen. Die stellen die etagenweite Stromversorgung sicher. Überleben ist bei den herrschenden Außentemperaturen nur dank unzähliger Radiatoren und Heizlüfter möglich. Die laufen im gesamten Haus auf Dauerbetrieb. Im Zimmer gegenüber treffen sich gerade eine Handvoll Frauen zum Haarworkshop. Zwei orange Plastikstühle und ein gestreifter Liegestuhl zieren den "Wartebereich". Eine brünette Studentin blättert in einem Magazin, während sie auf den ultimativen Streik-Trend fürs Haar wartet. Selbstgebackene Kekse machen die Runde. Atmosphäre wie in einem abgefahrenen Frisörsalon. Nur das Wasser fehlt. Das gibt's - fließend und ausschließlich kalt - nur im Keller. Da sind auch die einzigen beiden funktionierenden Toiletten. "Macht nichts", sagt Bernadett, die 27-jährige Kunstgeschichtsstudentin und gelernte Frisörin, "schneiden wir eben trocken". Zwei elektrische Heizlüfter dröhnen und versuchen, die Kälte zu überlisten, während Bernadett sich am Kopf ihrer Kommilitonin zu schaffen macht. Sie klemmt ein Büschel Haare fest. "Also mit dieser Hausbesetz-Aktion wollen wir mal darauf aufmerksam machen, wie viele Unigebäude leer rumstehen, während sich die Leute in den Hörsälen stapeln", sagt sie. Rechts und links fallen Haare. "Und außerdem brauchen wir für die Studenten bezahlbare Wohnungen." Allgemeines Nicken. "Wenn jetzt auch noch ne Studiengebühr kommt, können wir uns das hier einfach nicht mehr leisten." So wie Bernadett geht es vielen, die sich als Hausbesetzer engagieren. Die meisten arbeiten neben der Uni, um sich ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Bernadett verdient sich mit privatem Haareschneiden etwas dazu und arbeitet in der Diathek der Kunstgeschichtler, für 8,02 Euro die Stunde. Oder Dietmar. Der gelernte Automechaniker macht neben seinem Politikstudium einen Hausmeisterjob und ein Tutorium. Sonst reicht das Geld nicht. Bernadett hat die letzten zweieinhalb Jahre auf dem Wagenplatz Rödelheim gelebt - da hat das Geld gereicht, weil keine Miete anfiel. Aber der Platz wurde geräumt. Die studentischen Hausbesetzer wollen keinen Ärger. "Wir haben uns für unsere Aktion ja auch extra ein leer stehendes Haus ausgesucht", sagt Dietmar. Das ehemalige Anglistik-Institut ist seit mehr als zwei Jahren verwaist. Jetzt soll es, zumindest bis Weihnachten, zu einem "Centro sociale" werden, in dem sich von den Sparmaßnahmen Betroffene treffen können. Rund 20 Leute übernachten täglich im umgetauften "Institut für vergleichende Irrelevanz". Nicht immer dieselben Studenten, denn bei Minusgraden und der etwas angespannten Toilettensituation schlafen die meisten im Wechsel - eine Nacht zuhause inklusive Duschen, eine Nacht im besetzten Haus. Nur der harte Kern hat festen Wohnsitz bezogen und sich private Kleinidyllen geschaffen.

Privatidylle mit Stehlampe

Jan zum Beispiel. Der hat gleich am 3. Dezember, dem ersten Tag der Hausbesetzung, seine eigenen vier Wände in der ersten Etage bezogen und gestaltet. Eine Wand ist komplett mit Postkarten plakatiert, in einer Ecke steht eine alte Stehlampe, deren Schirm etwas zerfetzt ist, ein paar Klamotten liegen auf einem Holzregal. Der unverzichtbare Radiator läuft auf Stufe sieben. Um seine privaten Habseligkeiten vor öffentlichem Zugriff zu schützen, hat er ein neues Schloss eingebaut. Zum Duschen geht er "zu Herrn Fritz."Ein Kommilitone, dessen Nasszelle in der Robert-Mayer-Straße zum Anlaufpunkt für alle Dauerstreiker geworden ist. Die studentischen Hausbesetzer pflegen bürgerliche Umgangsformen. Bevor ein fremdes Zimmer betreten wird, klopfen sie wie selbstverständlich an, ausgehängte Ruhezeiten werden eingefordert, damit die Hausbewohner ungestört schlafen können. Apropos Schlafen. "Ich muss nochmal schnell in den Frauen Schlafraum", sagt Alexandra. Sie hat ihren Freundinnen versprochen, sie pünktlich zu wecken. Die beiden pellen sich gerade aus ihren Schlafsäcken und verlassen gähnend die Campingbetten. Es ist höchste Zeit. Noch schnell einen Kaffee holen und dann zum Frauenplenum. Man ist ja nicht zum Spaß hier. Am Nachmittag macht sich eine andere Delegation auf, Radio X zu besetzen. Über den Sender schicken die geduschten Revolutionäre ihre Message: "Gemeinsames Wohnen, gemeinsames Leben und Lernen sind die Voraussetzung für die Veränderung der herrschenden Verhältnisse."

KETTENHOFWEG 130

Das seit dem 3. Dezember von Studenten besetzte Gebäude im Kettenhofweg 130 ist eine Liegenschaft der Universität. Bis vor zweieinhalb Jahren war es Sitz des "Instituts für England- und Amerikastudien". Seitdem steht es leer. Geplant ist, das Grundstück zu verkaufen. Der Erlös soll zur Finanzierung der Uni-Neubauten im Westend dienen. Bislang war vorgesehen, das Gebäude abzureißen, weil sich das Grundstück dann besser verkaufen würde. Jetzt prüft das Denkmalamt, ob das von Ferdinand Kramer entworfene Haus erhalten werden muss. prko [Übersicht] [Nächster Artikel] [Anfang]

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(((i))), 10.12.2003: frankfurt: besetztes centro sociale (woche 2) [fotos]. [Übersicht] [Nächster Artikel]
problem child 10.12.2003 14:34 Themen: Bildung

die besetzung des centro sociale (institut für vergleichende irrelevanz) im frankfurter kettenhofweg 130 geht nun schon in die zweite woche...
institut für vergleichende irrelevanz/centro sociale

am mittwoch, den 3. dezember wurde von studierenden das ehemalige anglistik/amerikanistik institut besetzt. das institut für vergleichende irrelevanz hat sich den leerstehenden raum angeeignet und ein centro sociale eröffnet, dass für alle gesellschaftlichen gruppen und sozialen institutionen offen stehen soll. vor allem gesellschaftlich irrelevantisierte, deren anzahl mit dem momentanen sozialabbau immer mehr steigt, können diesen raum nutzen und nutzbar machen.

während der ersten woche haben bereits zahlreiche veranstaltungen erfolgreich und gut besucht stattgefunden, wie zum beispiel tutorien, diskussionsveranstaltungen über protestformen und arbeitskämpfe, filmabende, parties und vieles mehr. immer wieder kreisten die themen um sozialen protest, alternatives leben und wohnen und die theoretische einbettung von widerstand.

das ivi/centro sociale hat die forderungen des studentischen streiks nach einem freien und selbstbestimmten studium, nach freiem zugang zur bildung, konkret gemacht. wir verstehen das ivi als einen ort, an dem reflexion und selbstverständigung darüber stattfinden kann, wogegen sich unsere proteste richten, einen ort der theorie über gesellschaftliche verhältnisse, in denen wir leben.

wir halten diese form des protestes für notwendig, weil wir uns nicht nur als konsumentinnen wohlfahrtsstaatlicher leistungen sehen, die jetzt durch die kürzungen bedroht sind, sondern unsere lebens- und lernverhältnisse selbst mitgestalten wollen.

die vernetzung mit anderen sozialen gruppen und einrichtungen, die nun besonders von sozialabbau betroffen sind, kann und soll hier stattfinden. damit das ivi/centro sociale jedoch eine zukunft hat, sind genau diese gruppen angesprochen, sich die räume anzuschauen und anzueignen. eine wichtige diskussionsveranstaltung dazu wird am sonntag, den 14.12. um 20.oo uhr stattfinden.

*** für eine soziale sicherung aller ohne verachtenden arbeitszwang

*** für freie selbstbildung für alle

*** für kritische, nicht marktgängige wissenschaft

das veranstaltungsprogramm für diese woche findet ihr hier:
http://www.copyriot.com/raumspiel/timetable.htm
http://www.copyriot.com/raumspiel

Artikel-URL: http://de.indymedia.org/2003/12/69482.shtml
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(((i))), 8.12.2003: frankfurt: hausbesetzung geht weiter![fotos] [Übersicht] [Nächster Artikel]

problem child 08.12.2003 12:16 Themen: Bildung

im zuge der studentInnenproteste kam es vergangengene woche zur besetzung eines leerstehenden universitätsgebäudes im kettenhofweg 130 (frankfurt-westend).
im ehemaligen institut für england-und amerikastudien der uni-frankfurt befindet sich seit mittwoch das "institut für vergleichende irrelevanz" (IVI). das IVI versteht sich als centro sociale und bietet verschiedensten (auch nicht-universitären!) projekten raum für diskussionen, veranstaltungen, essen, trinken, schlafen, rumhängen und musikhören.

keinen quadratmillimeter raum gibt es jedoch für sexismus, rassismus, nationalismus, antisemitismus und mackergewalt...

heute werden noch folgende veranstaltungen im IVI stattfinden:

12-14 uhr: links-netz: "globalisierung & bildung", mit: christoph görg und jürgen klausenitzer

14- 16 uhr: plenum

16-18 uhr: autonomes tutorium: "geschlecht und nation"

18-20 uhr: veranstaltung zum israel-palästina-konflikt

19-20 uhr: der bauwagenplatz frankfurt-rödelheim stellt sich vor

ab 20 uhr: redaktion diskus: "gemeinsame kämpfe von studierenden und reinigungskräften in den USA". filmvorführung und diskussion

morgen um 20:00 findet dann eine veranstaltung zur zukunft des IVI statt. es stellt sich die frage, ob die besetzung des hauses noch länger aufrechterhalten werden soll/kann/darf/muss. dafür braeuchte das IVI allerdings noch viel mehr unterstützung. verschiedene frankfurter projekte sind zur diskussion eingeladen...

programm:
http://www.copyriot.com/sinistra/reading/features/streik/ivi-p7.htm

ivi-seite:
http://www.copyriot.com/raumspiel
STOPPTSPAM.problemchild@gmx.ch http://www.copyriot.com/sinistra
Artikel-URL: http://de.indymedia.org/2003/12/69238.shtml


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(((i))), 6.12.2003: IVI besetzt Radio-X [Übersicht] [Nächster Artikel]

Selbsthilfegruppe 3. Dezember 06.12.2003 20:48 Themen: Bildung Freiräume Medien Soziale Kämpfe
Der Sender Radio-X ist heute, am 6.12.03, in der Zeit von 17:30 bis 19:00 Uhr von der Selbsthilfegruppe 3.Dezember besetzt worden. Die Selbsthilfegruppe 3.Dezember ist eine Delegation der Studierenden im Institut für vergleichende Irrelevanz (IVI), das am 3.12.03 das ehemalige Anglistikinstitut im Kettenhofweg 130 im Rahmen des zur Zeit laufenden Unistreiks besetzt hat ? und noch besetzt hält.
Wir haben uns zur Besetzung des Senders entschlossen, da sich die Mitarbeiter/innen von Radio-X - speziell der Sendung ?X-wie-raus? geweigert haben über das Projekt IVI und dessen am 3.12.03 gelaufene Eröffnungsfeier zu berichten.

Mit diesem unsolidarischen Verhalten hat sich Radio-X in die Gruppe der zensierenden bürgerlichen Medien eingereiht, welche die legitimen und wichtigen Proteste gegen die unsoziale Umverteilungspolitik zu Lasten irrelevantisierter Gruppen inhaltlich bewusst in einem negativen Licht darstellen oder nur unzureichend darüber berichten.

Wenn es ? von Seiten sogenannter ?freier Medien? ? einem freien Projekt wie dem IVI verwehrt wird seine Stimme frei zu äußern, ist es notwendig sich die notwendige Medienpräsenz auf anderem Wege zu beschaffen.

Die Besetzung von Radio-X hatte den Zweck die Hörerschaft über den Bildungs- und Sozialabbau ? also den immer aggressiver geführten Klassenkampf von oben ? zu informieren und dagegen zu mobilisieren. Wir woll-ten vor allem dem Gedanken der hinter dem IVI steht ein Forum verschaffen.

Es wurde auf die entscheidende Diskussionsrunde am Dienstag, den 9.12.03 um 20 Uhr im IVI, hingewiesen, zu der das IVI alle sich betroffen fühlenden Gruppen und Menschen dringend einlädt, um über die zukünftige Nutzung des Institutsgebäudes bis zu seinem beschlossenen Abriss zu diskutieren.

Folgender Text wurde während der Radiosendung, die unter dem Namen Radio Irrelevanz lief, unter anderem durch gesagt:

institut für vergleichende irrelevanz eröffnet centro sociale

nach dem italienischen beispiel der centri sociali, die orte der organisierung, austauschs und politischer arbeit sind und dabei allen gesellschaftlichen gruppen und schichten offen stehen, eröffnet das institut für vergleichende irrelevanz (ivi) ein sozialzentrum in frankfurt. in zeiten des sozialabbaus und -kürzungen bei vielen sozialen projekten erscheint dies unerlässlich. die vernetzung des studentischen streiks mit anderen von den kürzungen betroffenen projekten und politischen gruppen kann und soll nun hier stattfinden. dies soll wie üblich unter dem motto theorie, praxis, party stehen. und natürlich streik, aber ein streik der spass macht weil er sich nicht im »auf die straße gehen« erschöpft.

das institut wurde erstmals im wintersemester 2001 / 2002 gegründet und zog im darauffolgenden sommer als zeltcamp auf das ig farben gelände. wie der name bereits andeutet ist das institut für alle irrelevantisierten offen (studierende, schülerinnen, alleinerziehende, arbeitslose, obdachlose, flüchtlinge und alle, die in zukunft irrelevantisiert werden ...).

in der derzeit öffentlich herauf beschworenen krise werden im namen des sachzwangs ? der mit der strafe des untergangs droht ? mit einer neuen qualität bisher bestehende freiräume vernichtet und bestehende institutionen wie die universität auf scheinbar marktrelevantes und standortsicherndes zusammengekürzt. das derzeitige programm der hessischen landesregierung, welches soziale initiativen mutwillig zerstört und reichtum zu gunsten besser verdienender verschiebt, mit studiengebühren die soziale auslese der universität und des gesamten bildungssystems verstärkt, ist teil dieses die zukunft des reichtums sichernden prozesses. immer stärker wird dabei die nackte existenz der irrelevantisierten bedroht.

deshalb will das institut für vergleichende irrelevanz zeigen, was die forderung nach einem freien, selbstbestimmten leben bedeuten kann. gemeinsames wohnen, gemeinsames leben und lernen sind die voraussetzung für die veränderung der herrschenden verhältnisse in denen wir nur anhängsel des verwertungsprozesses sind. wir gestalten die uni nach unseren vorstellungen - und eröffnen einen freiraum des forschens und feierns in diesem ehemaligen institut. wir nehmen uns mit dieser aktion den raum zurück, der zunehmend verknappt und vernichtet wird. wir fordern alle irrelevanten (und ihre initiativen), studierenden, professorinnen, bewohnerinnen des stadtteils auf, uns zu unterstützen, sich mit diskussionen und eigenen veranstaltungen etc. zu beteiligen - und nicht zu funktionieren wie es die »sachzwänge« von ihnen verlangen.

für eine soziale sicherung aller ohne verachtenden arbeitszwang.
für freie (selbst)bildung für alle.
für kritische, nicht marktgängige wissenschaft. Artikel-URL: http://de.indymedia.org/2003/12/69083.shtml
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Frankfurter Rundschau, 4.12.2003 [Übersicht] [Nächster Artikel]

Institut besetzt. Studenten setzen Streik fort

Frankfurt · 3. Dezember · prko · Rund 300 Studierende der Goethe-Universität haben am gestrigen Mittwoch gegen 13 Uhr das ehemalige Anglistik-Institut Kettenhofweg 130 besetzt. Die Aktion schloss sich unmittelbar an die vorangegangene Vollversammlung auf dem Campus Bockenheim an, bei der per Mehrheitsentscheid die Fortsetzung des Uni-Streiks beschlossen worden war. Rund 500 Studenten hatten sich dazu eingefunden. Gegen die Weiterführung des Streiks votierten lediglich zehn Studierende. In einem Protestmarsch zogen etwa 300 der Anwesenden dann unter Trillerpfeifen-Pfiffen zu dem nahegelegene Anglistik-Gebäude weiter. Das Haus steht seit geraumer Zeit leer und soll nach Angaben des zuständigen Liegenschaftsdezernatsleiters Klaus Brose baldmöglichst abgerissen werden. Begleitet wurde die friedliche Protestaktion von einem etwa 20köpfigen Polizeiaufgebot. Nachdem die Studenten die Verkehrskreuzung Kettenhofweg/ Senckenberganlage für eine gute Viertelstunde lahm gelegt und Flugblätter an die im Stau stehenden Autofahrer verteilt hatten, zogen die Polizeikräfte gegen 13.30 Uhr wieder ab.

Protestiert wird bis Weihnachten

Die Studenten wollen das Haus nach eigenen Angaben bis Weihnachten besetzt halten, um gegen die Erhöhung von Studiengebühren und die Sparpläne der hessischen Landesregierung zu protestieren. "Für die Zeit der Besetzung ist das Gebäude auch für andere von den Kürzungen betroffene Gruppen offen", sagte Politikstudent Dietmar, einer der studentischen Verhandlungsführer. Man müsse sich solidarisieren, um gemeinsam gegen die Sparpolitik Front zu machen. Trotz eines Telefonats zwischen Unikanzler Wolfgang Busch und den studentischen Verhandlungsführern blieb die Frage offen, ob die Universitätsleitung von ihrem Hausrecht Gebrauch machen und das Gebäude räumen lassen werde. Seitens des Kanzlers hieß es am späten Nachmittag, wie lange die Studenten bleiben könnten, hinge von ihrem "Wohlverhalten" ab. Weitere Aktionen plant das Uni- Streikbüro anlässlich der morgigen WM Auslosung in der Festhalle, für Samstag und für die dritte Lesung des Zukunftssicherungsgesetzes Mitte Dezember in Wiesbaden. Am 13. Dezember soll bei Großdemonstrationen in Frankfurt, Berlin und Leipzig auf die Forderungen aufmerksam gemacht werden.[Übersicht] [Nächster Artikel] [Anfang]

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4.12.2003, Hochschulen: Studenten geben nicht auf - doch die Solidarität läßt nach.

03. Dezember 2003  "Besetzt", steht in roter Sprühfarbe an einer Wand im zweiten Stock des Gebäudes Kettenhofweg 130. Die Fassade ist fast völlig verdeckt von riesigen Spruchbändern und Plakaten, auf denen ein gebührenfreies Studium und das "Recht auf Bildung" gefordert werden. Vor dem Gebäude überlegen ein paar Sympathisanten, wie man an Möbel für die Besetzer kommen könnte. Innen tummeln sich um ein Uhr mittags etwa 100 Studenten. Sie sitzen auf dem Fußboden oder in den Bänken des ehemaligen Vorlesungssaals, rauchen, debattieren. Manche halten sich frierend an einem Becher Glühwein fest. Die Heizung funktioniert nicht. Ebensowenig gibt es Wasser. Ein Dixi-Klo wird bestellt.

Das Gebäude steht seit eineinhalb Jahren leer. Der Putz rieselt von den Wänden. Ein paar Kabel hängen aus der Decke. Vor einiger Zeit hat es einen größeren Wasserschaden gegeben. Früher war hier das Institut für Anglistik untergebracht. Nach dem Umzug sollte das Haus abgerissen werden. Da es aber unter Denkmalschutz steht, bekam die Uni dafür keine Erlaubnis.

Genehmigungen sind den Mitgliedern des "Instituts für vergleichende Irrelevanz" wohl gleichgültig. Es handelt sich um eine Gruppe von Studenten aus dem Dunstkreis der Fachschaft Geisteswissenschaften, die schon in den vergangenen Jahren auf sich aufmerksam gemacht hat. Im Sommer 2002 hatten rund 50 Studenten zwischen IG-Farben-Haus und Casino der Goethe-Universität ein Camp errichtet. Mit der Besetzung wolle man "zeigen, was die Forderung nach einem freien und selbstbestimmten Leben bedeuten kann: gemeinsames Wohnen, gemeinsames Leben und Lernen". Geplant sind Filmvorführungen, Lehrveranstaltungen und Partys.

Anders als bei der Besetzung des Uni-Turms durch Studenten der Erziehungs- und Sozialwissenschaften Anfang November ruft die Universitätsleitung dieses Mal nicht die Polizei. Etwa 20 Beamte, die wegen der Vollversammlung auf dem Campus ohnehin in der Nähe der Senckenberganlage Wache hielten, machen sich kurz ein Bild von der Lage, ziehen aber schon bald wieder ab. "Uns wird es hier zu kalt, und wir haben ja keine Order", sagt einer der Polizisten.

Kanzler Wolfgang Busch, der sich in Abwesenheit des Präsidenten Rudolf Steinberg der Besetzer annimmt, gibt sich gelassen: "Wir gucken mal, wie das läuft. Wir wollen hier nicht die Muskeln spielen lassen." Gegen Mittag verhandelt er mit den Studenten. Wahrscheinlich, so das Ergebnis, wird man die Besetzung bis zum 17.Dezember tolerieren, dem vorerst letzten Tag der Proteste. Es dürfe allerdings nicht zu laut werden und kein Schaden am Gebäude entstehen, mahnt Busch.

Die neue Aktion kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß sich nach fünf Wochen Protest die Sehnsucht nach dem Alltag einschleicht. Demonstrationen, wöchentliche Vollversammlungen und die vielen Inszenierungen für die Medien haben an den Kräften gezehrt. Auf der sechsten Vollversammlung seit Beginn der Proteste wird zwar wieder mit "überwältigender" Mehrheit für "Streik" gestimmt. Aber es sind deutlich weniger Studenten gekommen. Etwa 1000, schätzt das Pressebüro des AStA. Etwa 500, meint der Kanzler. 1500 waren es noch vor einer Woche. Ein Mitglied der Fachschaft Philosophie sagt einen geplanten Trauermarsch ab: "Wir sind einfach zu fertig, um das durchzuziehen." Der AStA-Referent für Hochschulpolitik Martin Wagner wirkt angespannt, raucht eine Zigarette nach der anderen. "Eine Höllenarbeit ist das." Dennoch geben AStA und "Streikplenum" Durchhalteparolen aus. Noch bis Weihnachten soll weiter protestiert werden. Mut gibt vielen, daß die Aktivisten inzwischen bundesweit vernetzt sind. Am Wochenende trafen sich "Streikende" von Hochschulen aus ganz Deutschland.

Um der Ermüdung entgegenzuwirken, wollen AStA und "Streikplenum" nun die Aktionen konzentrieren. Am 9., 13. und 16.Dezember sind noch einmal größere Proteste geplant. Und dann? Stille Nacht, heilige Nacht? "Nein", meint Wagner. Im nächsten Jahr wolle man den Protest mit juristischen Mitteln weiterführen. Wohl am liebsten nach dem Vorbild Baden-Württemberg: Der Klage von Studenten gegen eine "Rückmeldegebühr" von 50 Euro pro Semester wurde im März dieses Jahres vom Bundesverfassungsgericht stattgegeben. anna sauerbrey

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(((i))), 3.12.2003: FFM Soziales Zentrum in besetztem Ex-Institut [fotos] [Übersicht] [Nächster Artikel]
bläh 03.12.2003 18:20 Themen: Bildung Soziale Kämpfe

Seit 12 Uhr ist ein ehemaliges Institutsgebäude der Frankfurter Uni von Studierenden besetzt! Im Kettenhofweg 130, gegenüber dem Senckenbergmuseum, logiert nun das Institut für vergleichende Irrellevanz.
Nach dem italienischen Beispiel der Centri Sociali soll das Haus Ort der Organisierung und des Politischen Austauschs werden und dabei allen libertären gesellschaftlichen Gruppen offenstehen.

Für die gesamte kommende Woche wurde bereits ein umfangreiches Programm erstellt, im Zentrum stehen hierbei die aktuellen Prozesse im Sozial-, Bildungs- und Kulturbereich.

Heute abend steht zunächst eine Einweihungsparty auf dem Programm.

Die Besetzung fand im direkten Anschluß an eine Vollversammlung der Göthe-Uni auf dem "Platz der freien Bildung" (Campus Bockenheim) statt. Sie verlief reibungslos. Einige Mannschaftswagen mit Polizei fuhren vor, die Beamten beobachteten jedoch lediglich die Situation und regelten den Verkehr an der ebenfalls besetzten Kreuzung vor dem neuen sozialen Zentrum. Artikel-URL: http://de.indymedia.org/2003/12/68839.shtml

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[2002]

Frankfurter Rundschau, 12.o6.2002

Studenten sollen Campus räumen. Unileitung stellt sich gegen den Diskussionszirkel im Zelt [Übersicht] [Nächster Artikel]

Mehr Freiräume für Theorie, Praxis und Party jenseits des offiziellen Lehrbetriebs zu schaffen - das war das Ziel des "Instituts für vergleichende Irrelevanz", das Studierende am Montag und Dienstag auf dem Uni-Campus des IG-Farben-Geländes besuchen konnten. Eine ganze Woche sollte es das Angebot geben - doch die Unileitung stellt sich quer.

Keine Frage: Die Zelte im idyllischen Park hinter dem IG-Farben-Haus machen sich gut. Die weitläufige Wiese ist doch eigentlich wie geschaffen für das "Sommerzeltcamp" des "Instituts für vergleichende Irrelevanz". Gemeinsam mit anderen will man Ideen für eine Veränderung des starren Uni-Alltags ausspinnen. Die 50 Studierenden kommen aus verschiedenen Fachbereichen und Hochschulgruppen. Doch die Zelte missfallen der Unileitung. Kanzler Wolfgang Busch hat am Dienstag sogar damit gedroht, das "Institut für vergleichende Irrelevanz" per polizeilicher Räumung vom Campus zu verbannen. Ob der autonome Seminarplan der Studenten und Studentinnen, auf dem das Tutorium "Ökonomisches Leben", die Arbeitsgemeinschaft "Innere Sicherheit" und das "Foucault Festival" verzeichnet sind, bis zum Freitag fortgeführt werden kann, steht daher in den Sternen. Einen Kompromissvorschlag des Uni-Kanzlers haben die an der Aktion beteiligten Gruppen gestern nach ausführlichen Plenumssitzungen abgelehnt: So hatte Busch den Studierenden auf der Wiese das Angebot unterbreitet, auf den ehemaligen Hubschrauberlandeplatz hinter dem Kasino umzuziehen und dort ihre Veranstaltungen abzuhalten. "Wir lassen uns nicht einfach von hier verbannen", fasste Emma Goldberg den Beschluss zusammen. Denn genau das sei der Punkt: Der Campus im Westend soll offen für Theorie und Praxis jenseits des offiziellen Vorlesungsbetriebs sein und nicht "in einen überwachten Sicherheitsraum umgewandelt werden", fordern die Studierenden. Nicht als "standortgerechte Dienstleistungshochschule, die Bildung zur Ware macht", sondern als einen "Raum für gesellschaftliche Veränderung" wollen sie die Goethe-Uni verstanden wissen. "Der Umzug ins IG- Farben-Haus hat die Veränderung der Universität zu einem schicken und kundenorientierten Ausbildungsbetrieb beschleunigt", so die Kritik. Die Leitung der Hochschule will aber hart bleiben: Durch Aktionen wie diese werde "eine unifremde Szene auf den Campus gedrückt", erklärte Kanzler Busch im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau. Das "Institut für vergleichende Irrelevanz" sei schon im Februar bei einer Besetzung des ehemaligen Romanistik- Zentrums "negativ aufgefallen". Im denkmalgeschützten Park dürften keine Zelte aufgeschlagen werden, im Übrigen werde die Gruppe "weder durch Fachschaften noch durch den AStA vertreten". Ob nun geräumt wird, oder nicht: "Wir haben weitere Aktionen geplant, und das Institut wird nur für kurze Zeit schließen", kündigte Emma Goldberg an. lem

Der Veranstaltungsplan des "Instituts für vergleichende Irrelevanz" und aktuelle Änderungen stehen im Internet unter www.raumspiel.de. [Übersicht] [Nächster Artikel] [Anfang]

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Die Tageszeitung, 11.o6.2002: was fehlt. Camping mit Teddy. [Übersicht] [Nächster Artikel]

Ob Adorno mit seinen Studenten je eine Dosensuppe auf dem Gaskocher aufgewärmt hätte? Kritische Theorie hat in Frankfurt am Main aber wieder einen angemessenen Platz erhalten - einen Zeltplatz. Seit gestern hat das Institut für vergleichende Irrelevanz (siehe taz vom 23. 1.) die Heringe in die Wiese vor dem Campus gesteckt, um gegen die Umwandlung der Uni in eine Dienstleistungshochschule zu protestieren; mit Debatte, Aktionen und Grillen. Habermas darf kommen, muss aber seine Wurst selbst mitbringen. [Übersicht] [Nächster Artikel] [Anfang]

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(((i))), 10.o6.2002: zeltcamp an der uni frankfurt. [Übersicht] [Nächster Artikel]
rosie 10.06.2002 15:08 Themen: Bildung
zeltcamp an der uni ffm errichtet
schon im januar machte das institut für vergleichende irrelevanz durch eine einwöchige instutusbesetzung von sich reden. nun folgt teil zwei- ein sommercamp auf der wunderbar grünen wiese des neuen igfarben-campus. für eine woche sollen hier die forschungsfelder theorie, praxis und party intensiv beleuchtet werden. polizei oder unileitung hat sich bis jetzt noch nicht sehen lassen. alle irrelevanten aus dem rhein-main-gebiet und sontswo sollten sich überlegen ob sie nicht vorbeikommen wollen um das institut zu unterstützen.


Das Institut für vergleichende Irrelevanz zieht um! Diese Woche schlagen wir vom 10. 6. - 14. 6. auf dem Campus der IG-Farben Uni unsere Zelte auf. Alle Irrelevanten (Studierende, SchülerInnen, Alleinerziehende, Arbeitslose, Lohnabhängige, Flüchtlinge, etc.) sind eingeladen an der Eröffnungsfeier am Montag den 10. 6. ab 12.00 Uhr und an den folgenden Veranstaltungen teilzunehmen sowie eine Woche auf dem Campus zu zelten. Die studentische Aktionswoche steht allen interessierten Einzelpersonen und Gruppen für Theorie, Praxis und Party zur Verfügung.

Zeltcamp auf dem Campus der IG - Farben - Uni!

Wie schon im Wintersemester 2001/2002, als wir im Januar im ehemaligen Romanistikgebäude die Gründung unseres Instituts feierten, möchten wir auch im Sommersemester wieder einen Ort schaffen, in dem sich Erkenntnisse, Kritik und Protest entwickeln können. Unser Zusammenkommen und Sichtbarwerden tut Not, denn die Universität wird gründlich verändert: Das Studium wird immer stärker zur bloßen Berufsausbildung und immer deutlicher auf seine kapitalistische Verwertbarkeit hin ausgerichtet. Die Lebensumstände und Studienbedingungen der Studierenden werden dabei als Privatsache abgehandelt und das Interesse nach einem selbstbestimmten Studium wird wie selbstverständlich ignoriert. Unser Protest richtet sich sowohl gegen die Mittelknappheit und Mittelverteilung an den Unis als auch gegen alle anderen Kürzungen bei Gruppen, die auf staatliche Unterstützung angewiesen sind.

Der Umzug in das IG-Farben-Gebäude hat die Veränderung der Universität zu einem schicken und kundenorientierten Ausbildungsbetrieb beschleunigt und er treibt die Westendisierung Bockenheims voran. Die Zerstörung von stadtnahem Wohnraum und die Vernichtung von geförderten und günstigen Wohnungen finden wir genauso scheiße wie die Umwandlung der Uni in eine standortgerechte Dienstleistungshochschule, die das TuCa räumen läßt, die Bildung zur Ware macht und den Campus in einen überwachten Sicherheitsraum verwandelt.

Gemeinsames Wohnen, Leben und Lernen sind die Voraussetzung für die Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse. Wir verändern die IG-Farben-Uni ein wenig nach unseren Vorstellungen und eröffnen einen Freiraum zum Forschen und Feiern. Wir nehmen mit dieser Aktion den Raum zurück, der von der Unileitung zunehmend verknappt und vernichtet wird. Wir fordern alle Betroffenen und Interessierten auf, uns zu unterstützen, auf dem Campus zu zelten und sich mit Diskussionen, eigenen Veranstaltungen etc. zu beteiligen - und nicht zu funktionieren, wie die Sachzwänge es von ihnen verlangen.

- Weg mit dem Zaun und Raus mit dem Sicherheitsdienst aus der Uni - reclaim the campus!

- Gegen die Zensur von politischen Flugis und Plakaten - für eine politische Öffentlichkeit an der Uni!

- Gegen alle Zulassungsbeschränkungen und die Verschlechterung der Studienbedingungen, egal ob durch NC, Aufnahmestopp, Studiengebühren oder was auch immer!

- Freiräume schaffen - Selbstbestimmung statt Unileitung!
http://www.raumspiel.de.vu

Artikel-URL: http://de.indymedia.org/2002/06/23878.shtml

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Diskus - Frankfurter Studierendenzeitschrift, #01/02: Forschung und Alltag am Institut für vergleichende Irrelevanz. [Übersicht] [Nächster Artikel]

[ I. ] die idee …

die uni muss sich verändern! sie muss in anbetracht eines weltweiten standortwettbewerbs um unternehmen und arbeitsplätze den elfenbeinturm der unabhängigen wissenschaft verlassen. will deutschland seinen wohlstand und seine rolle als wirtschaftlich führende nation in der welt wahren, müssen große anstregungen unternommen werden. an diesen sollen sich alle gesellschaftlichen kräfte mit ihren fähigkeiten und mitteln beteiligen. dabei wird den hochschulen eine wichtige rolle zugedacht: wertvolles wissen, technische, geistige und organisatorische innovationen müssen produziert sowie fachkräfte ausgebildet werden. wie diese angehenden fachkräfte und wissensproduzenten gesellschaftlich verortet sind, ihr geschlecht ist irrelevant, heißt es, das objektive auswahlkriterium der größten und besten leistung genügt. der globale wettbewerb erfordert eine konzentration auf bestimmte qualifikationen (bwl/jura/naturwissenschaften) und deren praxisnähe bzw. unmittelbare verwertbarkeit. also muss die hochschule umstrukturiert werden: ressourcen müssen verschoben, der abstieg aus dem elfenbeinturm durch die belohnung derjenigen sichergestellt werden, die für diese wissensproduktionen mittel »aus der gesellschaft« (drittmittel) respektive der wirtschaft mobilisieren können.

[ II. ] ... ist eine alte idee

trotz aller romantik vom schlage »früher war alles besser und es gab noch die forschungsfreiheit« ist diese argumentationsweise nicht neu. so werden zum beispiel die sozial- und geisteswissenschaften schon lange knapp gehalten und ausgetrocknet.1 um die vermeintliche funktionalität der hochschule für die standortsicherung und berufsausbildung sicherzustellen, werden anstrengungen unternommen, die innere organsisationsform der hochschule zu ändern: so wird die kaufmännische buchhaltung eingeführt (wobei alles auf seine scheinbar unmittelbaren kosten und die dagegenstehenden einnahmen überprüfbar wird), außerdem wird der wettbewerb der hochschulen untereinander um studierende und finanzierung vorangetrieben. die hierfür angestrebte ausbildung von (forschungs-)schwerpunkten wird durch die gestärkte hochschulleitung vorgegeben. in diese schwerpunkte können sich dann die fachbereiche »hineindefinieren«, was starke inhaltliche vorgaben impliziert.2 natürlich können auch nur solche forschungsschwerpunkte auf finanzierung durch die in finanziellen fragen gestärkte hochschulleitung hoffen, die in dieses raster passen.3

gleichzeitig mit der konkurrenz der universitäten und fachbereiche verschärft sich auch die konkurrenz von studierenden und wissenschaftlerinnen untereinander. der wettbewerb erfordet nicht nur inhaltliche qualifikationen (bwl/jura/naturwissenschaften), sondern auch soziale wie selbstbewußtsein und sicheres auftreten, bluff-vermögen und ellenbogenmentalität und reproduziert somit maskuline muster. die verwertung geschlechtlicher qualifiktionen und konstruktionen schlägt sich in hierarchien in arbeitsprozess und entlohnung nieder (weibliche sekretärin/ männliche professorin).

die dienstleistungshochschule im globalen standortwettbewerb bedeutet somit eine stärkung von konkurrenz und hierarchien auch entlang der klassischen linien (gender, race, konformität)

[ III. ] universität, gesellschaft und subjekt

der neoliberale umbau der universität vollzieht sich nicht im abgeschotteten raum, sondern ist teil einer zunehmenden gesamtgesellschaftlichen ökonomisierung (ausdehnung der warenförmigkeit). eine zunehmende ausrichtung weiter teile des lebens auf wirtschaftliche »notwendigkeiten« ist unbestreitbar. damit ist ein massiver abbau von (materiellen) leistungen für alle, die auf das arbeiten für geld (lohnarbeit / studijobs) und staatliche unterstützungsleistungen (BAföG etc.) angewiesen sind, verbunden. viele risiken, so auch das ausbildungsrisiko, werden immer mehr weg von staatlicher organisation und hin auf die einzelne verlagert. die unternehmerin, die nichts als ihre eigene arbeitskraft »produziert«, hat diese hegemoniale deutung bereits selbst übernommen und macht ihren körper zum werkzeug (produktionsmittel). immer mehr studierende erwarten von der hochschule die bestmögliche ausbildung für die sofortige verwertung ihrer selbst. schnell viel verdienen, um dann zum ausgleich auch viel freizeit konsumieren zu können. in den wirtschaftlichen und berufs- und karriereorientierten studien-gängen, die diese hegemonialen deutungen selbst scheinbar wissenschaftlich begründen, ist diese einstellung naheliegend, aber auch in den ehemals »kritischeren« gesellschaftswissenschaftlichen fächern, deren studentinnen gemeinhin als interessengeleitet und weniger karriereorientiert gelten werden vermehrt forderungen nach einem am markt orientierten studium vernehmbar.. nicht die selbstbestimmten entscheidungen nach interessen und vorlieben der einzelnen stehen dabei im vordergrund, sondern die zurichtung auf die wirtschaftliche verwertung (mehrwertproduktion).

[ IV. ] die idee ist schlecht, doch die welt trotzdem noch nicht bereit

so glatt und bruchlos wie das ideologische programm ist dessen umsetzung allerdings nicht, denn die umbaupläne sind in sich widersprüchlich und umkämpft: so werden zum beispiel bestehende (nicht-)zusammenhänge einfach zu (neuen) schwerpunkten umdeklariert, irrelevante und weniger verwertbare fächer werden an den rand gedrängt und schließlich ganz aufgegeben, inhalte werden marktkompatibel ausgesucht und somit oft theoretisch inkonsistent, die verwaltung versagt nach zielloser umorganisation in immer weiteren bereichen ihren (sinnvollen?) dienst. allen förderungen und werbungen zum trotz schreiben sich zu wenig studierende in die naturwissenschaftlichen fächer ein und wollen zu allem übel auch noch am bedarf vorbei sozialwissenschaften oder auf lehramt studieren. immer wieder entziehen sich einzelne professorinnen, mitarbeiterinnen oder studierende der unmittelbaren formierung (und verwertung) und ziehen sich in (forschungs-)nischen zurück. ebenso kämpfen »minderheiten« in berufungskommisionen und einstellungsverfahren, um mehr gesellschaftskritische wissenschaftlerinnen und die gleichberechtigung und förderung von frauen.

[ V. ] gegenidee …

wenn wir aus einer universitären perspektive heraus für andere, emanzipative politiken argumentieren und handeln, ist es kaum vermeidbar, dass wir dabei bestehende repressive und ausschließende strukturen und mechanismen (mit- und re-)produzieren. wir stehen niemals außerhalb von ihnen und sind gezwungen, in ihnen zu agieren. dabei reproduzieren wir ei-nen beträchtlichen teil ihrer selbst mit. somit ist diese reproduktion von verhältnissen die vorbedingung unserer interventionsfähigkeit. agieren wir im feld der universität und ihrer strukturen, erkennen wir sie an. das bedeutet, dass der widerstand gegen die bestehenden verhältnisse immer auch von innen kommt. nehmen wir dies zur kenntniss, muss die strategie der veränderung an bestehende verhältnisse (in dem falle universitäre strukturen) andocken, um emanzipatorische gegenentwürfe sichtbar, denkbar und lebbar zu machen, sie im besten fall hegemonial zu machen. der hegemoniale diskurs bringt die möglichkeiten zum eingreifen dabei selbst hervor, von seinen rändern lässt sich starten: durch vergangene kämpfe haben sich in den universitären räumen strukturen und freiräume etabliert und gefestigt, auf die heute zurückgegriffen werden kann. auf dauer muss um diese aber auch immer wieder neu gekämpft werden.4 eine solche politik ist allerdings ein gefährliches spiel und birgt immer die gefahr in sich, instrumentalisiert und funktional eingebaut zu werden. sie wird dann oft zum zeichen für eine vorzeigeliberalität, die jedoch repressive verhältnisse überdeckt und selbstbestimmung nur in enger begrenzung zulässt. selbst diese selbstdarstellung wird aber immer mehr aufgegeben und es werden mittlerweile unverhohlen autonome räume zerstört.

[ VI. ] … und gegenstrategie (wie tun?)

was bedeutet dies für linke politik? die bisherige reaktion auf »missstände« war leicht gefunden: durch die blockade von (vorlesungs-)räumen, hörsälen (dem turm) einen ausschluss provozieren, der dann spontan zu selbstorganisierten arbeitsgruppen und widerständischen aktionen führt. die störung des normalen ablaufes brachte (bisher) reflexion und aktion, so die erfahrung der vergangenheit.5 dieser automatismus ist fraglich geworden: die forderung nach einer allein auf das spätere berufsleben ausgerichteten, schnellen und praxisorientierten hochschulausbildung wird immer stärker nicht nur von der offen interessegeleiteten wirtschaft vorgebracht, sondern auch von den studierenden selbst. »augen zu und durch« lautet dann die devise. so wurden die kreativen aktionen der gruppe »raumspiel«, die zu beginn des wintersemesters an der frankfurter uni auf raumnot und kaputtsparen aufmerksam machen sollten, oft mit desinteresse links liegen gelassen, sogar als – zusätzlich zu den eh schlechten studienbedingungen – störend bezeichnet.

unter solchen bedingungen läuft der widerstand oft auf eine verteidigung (alter) staatorganisatorischer lösungen mit forderungen nach mehr geld hinaus (materiellen zugeständnissen). das verteidigen bisheriger zugeständnisse ist jedoch nur am status quo orientiert und reicht für eine emanzipatorische politik, die herrschaftsverhältnisse überwinden will, nicht aus. weder befürworten wir eine ökonomistische zurichtung aller gesellschaftlichen bereiche entsprechend der kapitalistischen verwertungslogik, noch eine kritiklose verteidigung der bisherigen institutionen. diese sichern zwar (erkämpfte und aufgezwungene!) nischen, die sich scheinbar der logik des ganzen entziehen oder ihr widerstehen, aber sie sind gleichzeitig auch teil repressiver strukturen. unser ziel ist vielmehr freie selbstbestimmung aller ohne den ständigen kampf um die materielle und geistige reproduktion.

in dem beschriebenen klima unter den studierenden und an der universität birgt die blockade des lehrbetriebs also die gefahr in sich, lediglich zu einer noch stärkeren ablehung alternativer ansätze zu führen. das kritische potential (das durch die weiter gehende verinnerlichung herrschender ökonomistischer normen schwächer geworden ist) muss immer wieder neu hergestellt werden, bzw den raum zur entfaltung finden. waren bisher an der uni die kräfteverhältnisse im vergleich zu anderen bereichen der gesellschaft ein wenig günstiger für alternative ansätze, ist dies in veränderung begriffen.6 die kräfteverhältnisse sind eben nichts unbewegliches und die gegenkräfte müssen immer wieder neu aufgebracht werden. mit anderen worten: wir müssen sogar befürchten, dass durch unsere aktionen (z. b. durch blockaden und aussperrungen arbeitsgruppen entstünden, deren forderungen entweder bestehende strukturen weitgehend kritiklos verteidigen oder sogar eine noch effizientere ausrichtung der hochschule beinhalten würden. solche forderungen und positionen stehen für uns nicht zur diskussion und sind auszuschließen. daraus ergeben sich auch konsequenzen für unser verständnis von öffentlichkeitsarbeit und linker praxis allgemein.

[ VII. ] gegenpraxis (was tun? das tun.)

für eine aktionswoche an der universität frankfurt wurde ein leerstehendes institutsgebäude der universität besetzt und darin das institut für vergleichende irrelevanz gegründet . die gründung des instituts als zusammenhang von unterschiedlichen personen und organisationen des »linken spektrums« knüpft an den bestehenden verhältnissen und widersprüchen an. die forderung nach frei nutzbarem raum entspricht den unmittelbar erlebten bedingungen der studierenden. die form sich freiraum selbst zu nehmen und zu versuchen, ihn alternativ zu nutzen, weist aber über bestehende verhältnisse, zum beispiel der unmittelbaren »raumnot« in der universität hinaus. das institut bot neben alternativen praxen und der gemeinsamen sozialen (raum-)gestaltung auch die möglichkeit, theorie und forschung als gestaltbaren raum zu erfahren und selbstbestimmt zu lernen. es wurde diskutiert, gewohnt und gemeinsam gelebt. der raum der universität wurde in diesem sinne erweitert um einen lebensraum, in dem soziale praxen reflektiert und gegenentwürfe erfahrbar wurden. im gegensatz dazu macht der universitäre raum momentan viele lebensentwürfe und soziale praxen unsichtbar. diese werden aktiv und bewusst durch die vertreibung und aussperrung von obdachlosen oder die permanente nicht- thematisierung von gesellschaftlich marginalisierten gruppen (bspw schwulen und lesben) in der theoriebildung und lehre unmöglich gemacht.

der name »institut für vergleichende irrelevanz« stellt zum einen den universitären bezug her, bricht diesen dann aber ironisch, da zum einen vergleichende irrelevanz (universitäts- und wissenschafts-)

logisch unmöglich ist und zum anderen sich darunter die irrelevantisierten der herrschenden diskurse und strukturen wiederfinden.

da institut sowie universität nicht im luftleeren raum existieren, sondern in einem stadtteil, auf dessen entwicklung die universtität einfluss hat, verweist die besetzung eines leerstehenden institutsgebäudes, das auch wohnraum werden könnte, auf das umkämpfte städtische umfeld der universität. zum einen ist anzunehmen, dass die umzugs- und verkaufspläne der frankfurter hochschulleitung eine ganze gewachsene stadtteilstruktur zerstören werden und zum anderen fehlt in der stadt der zahlungskräftigen bänkerinnen der für studierende bezahlbare wohnraum sowie der raum für alternative, nicht an der kleinfamilie orientierte lebensformen. solcher wohn- und lebensraum passt nicht in das leitbild der städtischen politik von einer prosperierenden »global city«. an diesem leitbild orientiert werden derzeit massive anstrengungen unternommen, damit frankfurt zu einer »globalen stadt« wird. dabei wird versucht, möglichst viele firmenzentralen, »finanzdienstleistungen« und banken in frankfurt anzusiedeln, um zum »steuerungszentrum« weltweiter verwertungsbeziehungen zu werden und so ein möglichst großes stück vom gesellschaftlich produzierten reichtum abzubekommen. die hoffnung ist, dass zum einen die unternehmen dann hier steuern in den gemeindesäckel zahlen und zum anderen deren gut verdienenden angestellten hier einkommensteuer zahlen und einen großen teil ihres einkommens auch ausgeben. es wird deswegen für den entwicklungsraum für immobilien gesorgt und die stadt an vermeintlichen bedürfnissen der globalisierten oberschicht ausgerichtet. dafür soll die stadt sauber und von »bedrohlichen« randgruppen und minderhei-

ten frei gehalten werden, damit sich alle (?) »sicher« fühlen und ungestört konsumieren (einkaufen) können.7 an dem dabei entstehenden verdrängungsdruck beteiligt sich die universität munter mit einem privatisierten sicherheitsdienst. die besetzung des leerstehenden institutsgebäudes verortet das institut in diesen auseinandersetzungen gerade durch das zeitweise ermöglichen einer anderen praxis.

[ VIII. ] gegenöffentlichkeit

wir haben es vermieden, anfangs mit konkreten forderungen oder analysen aufzutreten; sondern haben in den auf dem campus verteilten flugblättern und

der ersten pressemitteilung dazu eingeladen, diese während der woche in den diskussionen gemeinsam zu erarbeiten. in der organisation des alltäglichen trat dann die außenwirkung in den hintergrund, so dass wenig von dem, was tatsächlich geschah, nach außen drang und wenig zeit zur inhaltlichen positionierung blieb. dafür wurden wir zum teil heftig kritisiert. die entgegnung, dass eigene alternative praxen und eine selbstverständigung erst stattfinden müsse, ist weiter umstritten. tatsächlich blieb die theoretische verständigung hinter unseren erwartungen zurück. ob das an der form der aktion lag, wird sich bei den nächsten aktionen zeigen müssen.

darüber hinaus hat sowohl die inhaltliche / diskursive als auch die stark räumliche fokusierung (das haus stand abseits vom alltäglichen universitätsbetrieb) bestimmte gruppen gänzlich unberücksichtigt gelassen, mensch könnte sagen ausgeschlossen, da sie kaum die möglichkeit hatten, sich zu informieren oder einzubringen. sosehr wir uns auf »allgemeinpolitische« probleme beziehen, wird hier sichtbar, dass sich unsere zusammenhänge zum größten teil aus studentinnen der geistes- und gesellschaftswissenschaften zusammensetzen und auch genau diese wieder angesprochen werden. wir wollten in unserem auftreten deutlich machen, dass trotz heterogener und offener zusammensetzung der konsens besteht, dass die herrschenden verhältnisse nicht nur zu reformieren, sondern die gesellschaft grundlegend anders zu gestalten ist. die »massen« sollten nicht um den preis eines verzichts auf die grundlegende analyse und kritik des kapitalismus mobilisiert werden.

[ IX. ] alltag und institut(ion)

die vorherrschenden verhältnisse erzeugen nicht nur durch (materielle) zugeständnisse zustimmung. sie gewinnen ihre stärke gerade dadurch, dass zum einen nur bestimmte soziale praxen dauerhaft möglich sind und zum anderen der raum sowie die struktur von politischen auseinandersetzungen festgelegt ist. dies aufzubrechen muss gelingen, um emanzipative formen zu ermöglichen. denn was gedacht, gelebt und gefordert werden kann, hängt von den bestehenden hegemonialen verhältnissen (alltagspraxen) und deutungsmustern ab. ohne die reale erfahrung, dass anderes möglich ist, als vorgesetztes (auswendig) zu lernen, werden auch die deutungsmuster von einer reinen ausbildungshochschule nicht durchbrochen werden. damit wird die forderung nach mehr raum für selbstbestimmtes leben und lernen erst dann stark, wenn positiv besetzte erfahrungen dahinter stehen. diese müssen sowohl an bestehendes anknüpfen, als auch über die herrschenden strukturen hinaus gehen. dabei bedingen sich diskurse und altagspraxen gegenseitig und können nicht jeweils allein radikal verändert werden. das heißt aber auch, dass nicht jede, die mehr raum fordert, die logisch-sachliche begründung dafür abspulen können muss, sondern dass auch die konkrete erfahrung der selbstbestimmten formen diese rechtfertigt. wenn nun herkömmliche protestformern bestehende ideologien reproduzieren, dann hat die form des instituts das ziel, jene zu überwinden, um sich von diesen lösen zu können. idealerweise sollte das institut die herrschenden ideologien in frage stellen und durch die gelebten gegenentwürfe ihre widersprüche sichtbar machen.

die alternativen praxen, die über das bestehende hinausgehen, werden aber nur möglich, wenn sie zum einen bestehenden strukturen abgetrotzt werden und zum anderen die akteure es als erstrebenswert ansehen, sie dauerhaft zu reproduzieren. für das erstere wurde ein institutsgebäude besetzt und eine duldung durch die universitätsleitung in kauf genommen, die vorhandenen möglichkeiten also bis zur repressionsgrenze ausgenutzt und ausgeweitet. das zweite führte zu der feststellung, dass widerstand auch spaß machen muss. der eigentliche gründungsakt des instituts war nach der besetzung deshalb auch die erste party. als offizielles »programm« fand nur statt, was leute lust hatten anzubieten. das eigentlich wichtige forschungsprogramm des instituts war auch nicht die theoriebildung, sondern die alltägliche praxis: die unzähligen diskussionen beim bier oder zwischen tür und angel, das zusammenleben mit den leuten der initiative »gemeinsam leben im 21. jahrhundert« oder die abschlussdemonstration. vor dieser war deutlich, dass keine massen erscheinen würden. 30 leuten liefen dann vorwärts und rückwärts durch bockenheim und erzeugten einige irritationen in der umwelt. ausgangspunkt war nicht »scheiße, nur so wenige«, sondern das wissen um die berechtigung der eigenen position und der willen spaß bei ihrer artikulation zu haben; das frusterlebnis einer gewaltsamen räumung wäre sicher in anderer erinnerung geblieben. die strategie war, an die repressionsgrenze zu gehen, den reiz des grenzbereiches des »legalen« auszunutzen und dabei spaß zu haben.

[ X. ] drinnen beiben / zukunft

notwendigerweise gab es aber auch anschlüsse an das kritisierte: eine klare aufgabenverteilung wer kocht und wer theoretisiert, wer saubermacht und wer

feiert, war eine der konkreten erfahrungen der besetzungswoche: in weiten teilen kam es zur reproduktion von maskulinität. dass gerade das bestehende geschlechterverhältnis so offensichtlich reproduziert wurde, ist sicher kein zufall. geschlechtliche identität ist diejenige, die uns sehr früh als handlungsfähiges subjekt konstituiert. zweigeschlechtlichkeit und heterosexismus sind in uns allen und im bürgerlichen diskurs stark verankert und internalisiert. obwohl das ziel die auflösung von eindeutigen geschlechtszuweisungen und zweigeschlechtlichkeit ist, ist gleichstellungspolitik aufgrund der realen und alltäglichen diskriminierung von frauen auch bei uns unverzichtbar. genau dies gilt es in der reflexion der eigenen praxen festzustellen und an der überwindung in den eigenen praxen zu arbeiten. themen, die in der theoretischen auseinandersetzung wenig raum eingenommen haben, werden dabei genauso zu benennen und zu reflektieren sein, wie die verschiedenen ausschlüsse in den alltagspraxen. die geschlechterhierarchie steht hier nur als ein herausgegriffener punkt als aufgabe für die zukunft des instituts.

dieses trifft sich weiterhin und hat, vor in ähnlichen formen auch im nächsten semester im bereich der universität durch besetzende forschung aktiv zu bleiben. der bedarf an freiräumen ist groß, wird mit der zunehmenden zerstörung autonomer räume immer größer. das institut hat es sich zur aufgabe gemacht, diesen notstand nicht nur zu thematisieren, sondern auch abhilfe zu schaffen.

nico hausmeister, tapete 75

1 — dies ist in frankfurt vielleicht besonders leicht zu sehen: der afe-turm ist seit dreißig jahren nahezu unverändert. bauerhaltungsmittel der universität wurden in neubauten und berufungsmittel anderer fachbereiche umgeleitet. das verhältnis studierender zu professorinnen liegt im spitzenfeld zu ungunsten der studiereden

2 — vgl. oliver brüchert: www.links-netz.de/K_texte/K_bruechert_hopo.html

3 — vgl. den frankfurter hochschulentwicklungsplan: www.uni-frankfurt.de/ltg/entwicklung/HEP/Inhalt.html

4 — siehe die texte zu tuca und ig-farben campus in diesem heft, red.

5 — vgl. hibiskus aus dem letzten streik 1997: www.copyriot.

com/diskus

6 — siehe auch www.raumspiel.de.vu

7 — vgl. susanne heeg: Unternehmen Stadt zwischen neuen Governanceformen und Sicherheitspolitik in spw 118/2001, www.spw.de die autorin war referentin auf einer veranstaltung im institut.[Übersicht] [Nächster Artikel] [Anfang]

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Unireport, 13.o2.2002:

Freiheit für das Denken [Übersicht] [Nächster Artikel]

Aktionswoche gegen die Ökonomisierung der Universität

Am Montag, den 21. Januar 2002, besetzten Studierende verschiedener Fachbereiche das ehemalige Gebäude des Instituts für Romanische Sprachen und Literaturen in der Georg-Voigt-Straße 4. Damit protestierten sie im Rahmen einer Aktionswoche zu ›Theorie, Praxis und Party‹ gegen bestimmte Entwicklungen an der Universität Frankfurt.

Etwa 50 Kommilitonen folgten der Aufforderung, Freunde, Sympathisanten und Einrichtungsgegenstände wie Möbel, Pflanzen und Bücher mitzubringen und zogen in ehemalige Räume des Fachbereichs 10 ein. Das frisch renovierte Erdgeschoss wurde zur Tabuzone erklärt, um möglichen Vorwürfen seitens der Uni-Leitung, etwa von ›Sachbeschädigung‹ von vornherein vorzubeugen. Stattdessen wurden die alten Räume im zweiten und dritten Stock friedlich in Beschlag genommen und mit politischen Plakaten, Handzetteln und Zeitungsartikeln dekoriert. Die Räume des zweiten Stocks fungierten tagsüber als Seminarräume und als Küche, während die des dritten Stocks mit Matratzen und Decken ausgestattet als Schlafzimmer genutzt wurden. Sogar studierende Eltern wurden berücksichtigt und ein ›Kinderschlafzimmer‹ eingerichtet.

Die Uni-Leitung, die in Person des Kanzlers Dr. Wolfgang Busch, am Montagvormittag in dem ehemaligen Institut erschien, willigte am späten Nachmittag schließlich ein, das politische Spektakel bis Samstagmittag, den 26. Februar, zu tolerieren. Unabhängig von dieser Entscheidung gründeten die Studierenden am Montag um 12 Uhr das ›Institut für vergleichende Irrelevanz‹. Zur Eröffnungsfeier waren alle Studierende, Schülerinnen, Alleinerziehende, Arbeitslose, Obdachlose eingeladen, die laut Organisatoren von der Uni-Leitung »irrelevantisiert« worden seien.

Die Kritik der Studierenden richtet sich vor allem gegen die »schleichende Umwandlung der Universität in eine standortgerechte Dienstleistungshochschule«, wie aus einem Informationsblatt hervorgeht. Ziel dieser Aktion war es, »einen Freiraum des Forschens und Feierns zu schaffen« und zwar »jenseits hierarchischer Machtverhältnisse, wie sie in Seminaren oft zwischen Studie renden und Professoren bestehen und eine kritische Reflexion über die Zukunft der Universität anzustoßen«, wie ein studentisches Mitglied des Fachbereichsrates 03 anmerkte. Auch der Umzug auf den Campus Westend wurde kritisiert: Eine transparente Vergangenheitsaufklärung über die Geschichte des IG Hochhauses, gäbe es nicht und die Ausstellung »Von der Grüneburg zum Campus Westend« sei diesbezüglich mangelhaft, meinte ein Politologie-Student.

Die Wochentage begannen nach einem gemeinsamen Frühstück, mit einem allmorgendlichen Plenum, um dann in Arbeitsgruppen Themen wie die »neoliberale« Bildungspolitik oder die Studienbedingungen an der Universität Frankfurt zu diskutieren.

Außerdem trafen sich die Mitglieder der verschiedenen (Autonomen) Tutorien der Fachbereiche 03, 08 und 10 in dem neugegründeten ›Institut für vergleichende Irrelevanz‹. Auch der ein oder andere Professor setzte Fuß in das Gebäude. Politologieprofessor Joachim Hirsch beispielsweise hielt dort ein Seminar ab und erörterte mit den Studierenden die Umstrukturierung der Universitäten. Darüber hinaus wurden politische Filme gezeigt und abends von theoretischen Diskussionen direkt in praktisches Feiern übergegangen. Zur ›Finissage‹ am Freitag Abend legten diverse DJs bis spät in die Nacht auf.

Initiiert wurde die Aktionswoche zum einen von der Gruppe ›Raumspiel‹, die sich konstituiert hatte, um gegen den Beschluss des Fachbereichsrates 03 zu protestieren, der einen Aufnahmestopp von Studierenden zum Sommersemester 2002 angeordnet hatte. Zum anderen rief die AG ›Französische Verhältnisse III‹, die seit dem Streik im Wintersemester 1997/1998 die Situation der Hochschulen diskutiert, alle Tutoren des Fachbereichs auf, eine Streikwoche einzulegen, da die Arbeitsverhältnisse der studentischen Tutoren äußerst prekär seien: Seit 1993 sei der Bruttolohn von weniger als 8 Euro nicht mehr erhöht worden. TutorInnen fungierten als billige Arbeitskräfte, die teilweise die Arbeit der Professoren übernehmen müssten.

Die Arbeitsverträge seien auf vier bzw. fünf Monate beschränkt, so dass es keine Garantie auf Weiterbeschäftigung und somit keine soziale Absicherung gäbe. Dem Aufruf zum Streik folgten etwa 8 Tutoren und darüber hinaus auch die studentischen Hilfskräfte der Fachbereichsbibliothek 03.

Über den Fachbereich 03 hinaus schlossen sich der Aktionswoche auch Kommilitonen anderer Fachbereiche und weitere universitäre Gruppen an, wie beispielsweise das Wahlbündnis ›Linke Liste‹. Auch der AStA unterstützte die Aktion. Auf wenig Resonanz stieß dagegen die Demonstration am Freitag Nachmitta mit dem Motto »einen Schritt zurück und zwei Schritte vor«, an der sich gerade einmal 30 Studierende beteiligten und über die Senckenberganlage in Richtung Leipziger Straße marschierten. Den Initiatoren der Aktionswoche ging es nicht nur darum, auf »Missstände« an der Universität Frankfurt aufmerksam zu machen, auch »ungenutzter Raum« sollte »wiederbelebt« werden. Da die Seminare in der Georg-Voigt-Straße 4 teilweise sehr gut besucht waren, scheine es Bedarf an Räumen zu geben – gerade für alternative Veranstaltungen unabhängig vom regulären Lehrbetrieb.

Insgesamt gesehen zogen die Organisatoren ein äußerst positives Resümee der Woche. Nun müsse eine schöpferische Pause eingelegt werden, um die Aktion angemessen zu reflektieren. Die Arbeitsgruppen würden in Zukunft ihre Diskussionen weiter führen. Außerdem plane man eine Vernetzung über die Uni hinaus, wie zum Beispiel mit IGL 21 (Initiative für gemeinsames Leben im 21. Jahrhundert). Schließlich sollen konkrete Forderungen für die Verbesserung der Arbeitsverhältnisse der studentischen Hilfskräfte formuliert werden. Auch das Verhalten der Uni-Leitung gegenüber dieser Aktionswoche wurde von den Studierenden thematisiert. Die Bewertungen fielen unterschiedlich aus, aber einige räumten ein, Präsident Steinberg und Kanzler Busch hätten sich auch weniger tolerant zeigen können.

Andrea Teuscher

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Die Tageszeitung, 23.o1.2002: was fehlt. Vergleichende Irrelevanz. [Übersicht] [Nächster Artikel]

Doch jetzt liegt dieses Forschungsfeld nicht mehr brach. StudentInnen der Frankfurter Uni besetzten am Montag das leere Gebäude des Romanistik-Instituts, benannten es in "Institut für vergleichende Irrelevanz" um und widmen sich nun mit Debatten und Feten ausgiebig der neuen Disziplin. Im Klartext geht es um einen Widerstand gegen den immer stärkeren Zugriff von Verwertungsinteressen auf das Studium. Die Unileitung unterlässt bis Samstag eine Räumung und Frankfurt darf endlich mal wieder Schule machen. [Übersicht] [Nächster Artikel] [Anfang]

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Frankfurter Rundschau, 23.o1.2002

Studierende schaffen sich Freiraum zum Feiern und zum Forschen [Übersicht] [Nächster Artikel]

Mit einer Aktionswoche protestieren Kommilitonen gegen die Entwicklung an der Goethe- Universität

Ein alternatives Lehrangebot mit eigenen Seminaren und Diskussionsforen bietet in dieser Woche eine Gruppe von Studierenden verschiedener Fachbereiche im ehemaligen Institut für Romanistik an. 50 Studierende haben das Gebäude in der Georg-Voigt-Straße in Beschlag genommen, um dort eine kritische Diskussion über die Entwicklung der Goethe-Uni anzustoßen.

An der Fassade der Gründerzeitvilla im Schatten des schmucklos in den Himmel ragenden Uni-Turms flattert ein meterlanges Transparent im Wind: Wer durch die Tür des Gebäudes tritt, wird sich demnach im "Institut für vergleichende Irrelevanz" wiederfinden. Bis zum Samstag wollen die Mitglieder der Gruppe "Französische Verhältnisse III" die Georg-Voigt-Straße 4 friedlich belagern und dort laut einem Flugblatt "einen Freiraum des Forschens und Feierns" schaffen. Die Leitung der Goethe-Universität hatte sich bereits am frühen Montagnachmittag, wenn auch zähneknirschend, kooperativ gezeigt. So bezeichnete Präsident Rudolf Steinberg die Aktion im Gespräch mit der FR zwar als "Hausfriedensbruch", erklärte jedoch, er werde die Anwesenheit der Studierenden im Gebäude bis einschließlich Samstagabend "dulden". Der Aufhänger für die Institutsbelagerung war ein Aufruf der Gruppe "Französische Verhältnisse III" an die Tutorinnen und Tutoren am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften, eine Woche lang zu streiken. "Wir wollen damit gegen die miserablen Arbeitsbedingungen für Tutoren protestieren", erklärte ein Vertreter der Gruppe, selbst Tutor für das Fach Politologie. Seit zehn Jahren sei der Bruttolohn von weniger als acht Euro nicht mehr aufgestockt werden, zudem würden Tutorinnen und Tutoren nicht halbjährlich, sondern nur für die Dauer der Vorlesungszeit bezahlt, "dabei sind die meisten auf das Geld zur Finanzierung ihres Studiums angewiesen". Oft nutzten die Professoren Tutoren lediglich als billige Arbeitskräfte, etwa für das Korrigieren von Klausuren. Mit ihrem Protest wollen sich die Studierenden auch gegen die derzeit diskutierte Verschärfung der Studienbedingungen durch Aufnahmestopps und Zulassungsbeschränkungen wenden. "All das steht für eine schleichende Umwandlung der Universität in eine standortgerechte Dienstleistungshochschule", so die Kritik. Mit der Belagerung des ehemaligen Institutsgebäudes will die Gruppe "jenseits der Anonymität des Vorlesungsbetriebs Raum schaffen, um unsere Vorstellungen einer kritischen Universität zu diskutieren". Bis einschließlich Samstag, 26. Januar, wird es daher in der Georg- Voigt-Straße 4 ein alternatives Seminarprogramm geben. So ist am heutigen Mittwoch, 20 Uhr, eine Debatte zur "Neuen Rechten" an der Goethe-Uni mit dem Politikprofessor Joachim Hirsch geplant, am Donnerstag geht es ab 19.30 Uhr um das Thema "Globalisierung und internationaler Protest". Ein ausführliche Programm ist in der Georg-Voigt-Straße 4 erhältlich. lem [Übersicht] [Nächster Artikel] [Anfang]

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Frankfurter Rundschau, 22.o1.2002

Goethe-Universität: Studierende planen aus Protest eigene Seminare [Übersicht] [Nächster Artikel]

Ein alternatives Lehrangebot mit eigenen Vorlesungen und Seminaren bietet in dieser Woche eine Gruppe Studierender aus Protest gegen die "herrschende Linie" an der Goethe-Universität an. Dazu hat die Gruppe "Französische Verhältnisse III", die sich aus Studierenden verschiedener Fachbereiche zusammensetzt, am Montagmittag das leerstehende Gebäude des romanistischen Instituts in der Georg-Voigt-Straße "in Beschlag genommen". Wegen Renovierungsarbeiten war die Tür nicht abgeschlossen. Die Gruppe will mit der Aktion gegen Missstände an der Universität protestieren. "Die Ressourcen an der Uni werden allein auf Fachbereiche konzentriert, die auf eine kapitalistische Verwertbarkeit ausgerichtet sind", heißt es in einem Flugblatt. Die Gruppe wendet sich unter anderem gegen die derzeit diskutierte Einführung eines Numerus Clausus für den Fachbereich Gesellschaftswissenschaften und fordert die Aufstockung des Personals in überfüllten Studiengängen. Bis einschließlich Samstag wollen die Studierenden das in "Institut für vergleichende Irrelevanz" umgetaufte ehemalige Romanistik-Institut für eine Aktionswoche mit eigenen Vorlesungen und Seminaren nutzen. lem [Übersicht] [Nächster Artikel] [Anfang]

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((( i ))), 22.o1.2002: besetztes uni-Gebäude (Zwischenbericht) [Übersicht] [Nächster Artikel]
lulu 22.01.2002 14:32 Themen: Bildung

bericht aus dem besetzten unigebäude in frankfurt
gestern haben wir aus protets gegen den immer stärkeren zugriff von verwertunsginteressen auf das studium das leerstehende gebäude des ehemaligen romanistik-instituts der uni frankfurt/m, eine schöne alte villa, besetzt. nachverhandlungen mit der unileitung haben wir uns darauf geeinigt dass wir bis samstag 10 uhr drinbleiben können.
nachdem der gestrige tag mit dem einrichten des hauses und der organisation der leute gefüllt war und die nacht durch gefeiert wurde, beginnt heute die theoretische arbeit. in unserem "institut für vergleichende irrelevanz" werden diverse hochschul- und allgemeinpolitische veransatltungen sowie kulturelle sachen wie filmabende stattfinden. heute finden zb zwei diskussionen zur umstrukturierung der uni(s) statt sowie ein film zum thema transvestiten in den usa ("paris is burning". morgen wird auf einer veranstaltung zu "neurechter ideologie an der uni" u.a. prof. joachim hirsch sprechen, dieser termin hat schon für eine dreistündige diskussion im fachbereichsrat geführt bei dem hirsch dazu aufgefordert wurde sich von uns zu distanzieren. am freitag werden wir noch eine demo machen und auch ansonsten ist der ganze tag mit terminen gefüllt. also kommt vorbei wenn ihr lust habt, die stimmungh ist gut, die adresse ist georg-voigt-str.4 in bockenheim direkt hinter dem uni-turm. Artikel-URL: http://de.indymedia.org/2002/01/14007.shtml

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((( i ))), 21.o1.2002: Institutsbesetzung in frankfurt! [Übersicht]

raumspiel 21.01.2002 14:22 Themen: Bildung
heute um 13:00 wurde an der universität frankfurt zur eröffnung der aktionswoche gegen die prekarisierung der studienbedingungen eine leerstehende villa der uni besetzt. venceremos!
diese woche begehen wir die eröffnung des instituts für vergleichende irrelevanz (IVI). alle irrelevantisierten (studierende, schülerInnen, alleinerziehende, arbeitslose, obdachlose, flüchtlinge, ...) sind eingeladen, an der eröffnungsfeier am montag, den 21. januar um 15:00 und an den folgenden veranstaltungen teilzunehmen. unsere neuen räume in der georg-voigt str 4 stehen ihnen jederzeit für theorie, praxis und party zur verfügung.

feierliche eröffnung des instituts für irrelvanz
die universität wird verändert: das studium verkommt zur bloßen berufsausbildung und wird allein auf eine kapitalistische verwertbarkeit ausgerichtet. die lebensumstände der studierenden und ein selbstbestimmtes lernen und gestalten des eigenen studiums werden ignoriert. die schleichende veränderung der universitäten nimmt in frankfurt am main in letzter zeit deutliche formen an: aufnahmestopps sind beschlossen, neue nc's und studiengebühren drohen! die ressourcen werden auf fachbereichsebene konzentriert, die direkt in wirtschaftlichen verwertungsprozess passen. gegen diese veränderungen wehren wir uns!
der umzug ins ig-farben gebäude hat diesen prozess beschleunigt und ermöglicht die westendisierung (westend = frankfurter bürovillenviertel). die zerstörung von stadtnahem wohnraum und die unterwerfung von stadtvierteln unter die verwerung durch investoren werden wir genausowenig akzeptieren wie die umwandlung der universität in eine standortgerechte dienstleistungshochschule, die von mckinsey beraten wird, bildung zur ware macht und den campus in einen überwachten sicherheitsraum verwandelt!
gemeinsamens wohnen, gemeinsames leben und lernen sind die voraussetzung für die veränderung der herrschenden verhältnisse. wir gestalten die uni nach unseren vorstellungen und eröffnen einen freiraum des forschens und feierns in diesem ehemaligen institut. wir nehmen mit dieser aktion den raum zurück, der zunehmend verknappt und vernichtet wird. wir fordern alle irrelevanten, studierenden. professorinnen, bewohnerinnen des stadtteils auf, uns zu unterstützen, sich mit diskussionen, eigenen veranstaltungen etc. zu beteiligen, - und nicht zu funktionieren, wie es die sachzwänge von ihnen verlangen.
wer noch nicht verloren hat, kann noch kämpfen, und muss nicht alleine die widersprüche ertragen, welche die zunehmende ökonomisierung und vereinzelung in allen lebensbereichen ihr auferlegen.
für eine freie, d.h. freie universität! Artikel-URL: http://de.indymedia.org/2002/01/13941.shtml
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